Aktuelle Sonderausstellung

Als in Grimma das Gewerbe blühte

vom 22.7. bis 18.11.2018

In der Ausstellung werden der 1858 gegründete Gewerbeverein in Grimma und seine großen Gewerbeausstellungen 1860 und 1908 vorgestellt. Die Organisation der großen Ausstellung von 1908 zeigt, mit welch enormem Aufwand und Engagement diese Präsentation von den Mitgliedern des Gewerbevereins, aber auch maßgeblich von der gesamten Stadtbevölkerung vorbereitet und durchgeführt wurde. Diese Schau sollte den Bürgern der Stadt, aber auch den der benachbarten Städte bis nach Leipzig zeigen, dass das Handwerk und der Handel auf der Höhe der Zeit standen und Grimma ein attraktiver Einkaufsort war.

Es waren die Bürger – Händler, Gastwirte, Handwerker, Lehrer und Fabrikanten – und nicht die Stadtverwaltung, die den Anstoß für solche Events wie die Gewerbeausstellungen, die großen Reformationsjubiläen 1894 und 1907 oder die Altertumsausstellung 1900 gegeben haben. Viele Stadtbewohner engagierten sich in Vereinen, die maßgeblich zum Gelingen der Großveranstaltungen beitrugen. Das Unterhaltungsprogramm wie musikalische Veranstaltungen, Tanz- und Sportvorführungen und Vorträge wurde von den Vereinen übernommen. Es galt bürgerlichen Gemeinsinn und Eintracht zu befördern.

Die Gründer des Gewerbevereins strebten an, dass sich die Mitglieder aus dem Handel, dem Handwerk und dem Bildungsbürgertum kommen sollten. An Händlern, Handwerkern und Lehrern mangelte es vor 100 Jahren in Grimma nicht. 1910 gab es allein in der Altstadt ca. 250 Handelsgeschäfte und kleine Handwerksbetriebe und knapp 50 gastronomische Einrichtungen. In fast jedem Haus der Innenstadt befand sich somit ein Geschäft oder ein Handwerker mit Verkaufsmöglichkeit.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 kam es zur Gleichschaltung aller Gewerbevereine. Sie verloren nach und nach ihre Selbstständigkeit und lösten sich auf.
Nach der politischen Wende 1989 gab es in Grimma Bestrebungen zur Neugründung eines Gewerbevereins. Nachdem 1990 ein erster Anlauf scheiterte, wurde schließlich Anfang Mai 1992 in der Grundmühle, mit zunächst 42 Mitgliedern, erneut ein Gewerbeverein gegründet. Ziel war es, den Mittelstand gegen die Allmacht der Großkonzerne zu unterstützen und den Unternehmern Hilfe in Sachen Bürokratie zu geben, da in Ostdeutschland Erfahrungen mit dem neuen Wirtschaftssystem fehlten. Man wollte sich vonseiten der Unternehmer auch einer Stimme auf lokaler und Landesebene sicher sein und wenn möglich auf diese einwirken. Zudem bot der Verein seinen Mitgliedern Hilfestellung bei Neugründungen, bei drohenden Rückführungsansprüchen oder bei geplanten Umbauten in der historischen Altstadt, welche mit dem Denkmalschutz in Einklang zu bringen waren. Wie schon beim alten Gewerbeverein sollten diese Ziele u.a. mit Vorträgen erreicht werden. Aktiv wurde der Verein auch im Marktausschuss und bei der Vereinheitlichung von Öffnungszeiten. In der Stadtpolitik setzte man sich seit Mitte der 1990er Jahre gegen den Parkplatzmangel in der Innenstadt und ein Überangebot von Verkaufsflächen, welche damals vor allem auf der „grünen Wiese“ neu entstanden, ein.

Heute sorgt ein Einkaufsbummel durch so manche deutsche Klein- oder Mittelstadt, so auch in Grimma, immer häufiger für Enttäuschung und Frustration: zahlreiche geschlossene, inzwischen leerstehende Geschäfte, Läden für Billigprodukte oder fehlende Branchenvielfalt, eine geringe Auswahl an Produkten, kaum noch produzierendes Handwerk, sterbende Innenstädte. Nicht verwunderlich also, wenn die Konsumenten abwandern – in die Metropolen wie Leipzig und Dresden, in die Gewerbegebiete am Stadtrand aber vor allem ins Netz.

Beim zunehmenden Leerstand der Geschäfte in den kleineren und mittleren Städten und der schrumpfenden Anzahl von Handwerksbetrieben kommt unwillkürlich die Frage auf, warum der Handel und das Gewerbe noch vor 100 Jahren scheinbar so viel besser funktionierten. Was kann der nach der Wende neu gegründete Gewerbeverein und was können die Bürger heute für die Belebung der Innenstadt tun? Würden ehrenamtliches Engagement und bürgerlicher Gemeinsam die Situation der Kleinstädte ein wenig verbessern? Oder ist diese Frage im globalen Zeitalter naiv? Fakt ist, dass früher und heute jeder einzelne Mensch seine Zukunft mit gestaltet. Dieser Verantwortung sollten wir uns bewusst werden!

Plakat der Ausstellung
Plakat der Ausstellung