Rückblick der Sonderausstellungen

Engel – von der Wiege bis zur Bahre

29.11.2009 bis 28.02.2010

Die himmlischen Boten sind untrennbar mit der Weihnachtsgeschichte verbunden. So war es ein Engel, der den Hirten auf den Feldern um Bethlehem erschien, um auf das weltverändernde Ereignis der Geburt Jesu Christi aufmerksam zu machen. Aber nicht nur zur Weihnachtszeit findet man Engeldarstellungen. Sie begegnen uns fast täglich in Kirchen, auf Friedhöfen, in Museen und nicht zuletzt in unserem häuslichen Umfeld. Besonderer Wertschätzung erfreuen sich dabei die vielfältigen Erzeugnisse von Volkskunst und Kunsthandwerk. So präsentiert die Ausstellung u.a. Verkündigungsengel in Krippendarstellungen, Rauschgoldengel aus Nürnberg, Schutzengel für Soldaten des 1. Weltkrieges sowie eine reiche Auswahl an Gegenständen des täglichen Gebrauchs mit den vielgestaltigen Engeldarstellungen.

Natürlich fehlt auch der erzgebirgische Lichterengel nicht in der Ausstellung. Im Gegensatz zum Lichterbergmann, der im Erzgebirge über Jahrhunderte Thema der künstlerischen Gestaltung war und seit dem 17. Jahrhundert sowohl in Zinn als auch in geschnitzter Form als Lichterträger existierte, entstanden Lichterengel erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts aus anderen Motiven und nach anderen Vorbildern. Anregung gaben die lichterbestückten Schwebeengel in den Kirchen, aber ein wichtiger Anlass war auch die Erfindung von Stearin- und Paraffinkerzen zwischen 1820 und 1830, die Weihnachten zu einem Lichterfest wandelten.

Die seit Ende des 18. Jahrhunderts weit verbreiteten Nürnberger Faltschnitt- oder Rauschgoldengel boten ein gestalterisches Vorbild, waren aber als Lichtträger wenig geeignet. Wesentlich mehr Standfestigkeit hatte die Form der von Drechslern hergestellten hölzernen Dockenpuppe. Die ersten daraus entwickelten Engelfiguren lassen sich nach den typischen Merkmalen der Biedermeiermode in Form und Bemalung in die Zeit zwischen 1830 und 1850 datieren.
Die Herstellung in einzelnen Werkstätten in Schneeberg und um Annaberg bereicherte aber bis zum Ende des 19. Jahrhunderts nur das Weihnachtsbrauchtum des Erzgebirges. Erst dann entstand mit dem Wachstum der Städte ein größerer überregionaler Bedarf, so dass sich vor allem im Seiffener Raum eine umfangreiche Produktion entwickelte.

Die erzgebirgischen Engelfiguren des 19. Jahrhunderts, die in der Hausproduktion der „Männelmacher“ für die eigene Weihnachtsstube geschaffen wurden, zeigen unterschiedlichste Gestaltungstechniken. So waren die Flügel geschnitzt, ausgesägt oder bestanden aus Pappe. Häufig wurde für die Ausformung von Armen und Füßen, aber auch für plastische Einzelteile und sogar für die Gesichtsformung eine Teigmasse aus Knochenleim, Papier und Pappe verwendet. Schon frühe Engelfiguren trugen manchmal einen Lichterbogen oder gar einen Lichterkranz auf dem Kopf. Spätere Sonderformen sind Engel mit einem Lichterjoch oder mit Flügelrad und figurenbestücktem Pyramidenteller sowie einem Hämmerchen mit Glockenanschlag. Kunstgewerbliche Engelgestaltungen weisen oft dekorative und farbenfreudige Bemalungen auf.