Rückblick der Sonderausstellungen

Volkskunst zu Ostern

28.2. bis 17.4.2016
 
Neben einer reichen Anzahl kunstvoll verzierter Eier zeigt die Präsentation auch volkskundliche Gegenstände zur Passionsgeschichte.
Die Eier stammen aus Afrika, Australien, Asien, Peru, Deutschland, Polen, Rumänien, Russland, Tschechien, Ungarn und anderen Ländern. So gibt die Ausstellung mit ihren kleinen Kunstwerken einen Einblick in die Welt der verzierten Eier rund um den Globus.
Besonders die slawischen Völker in Ost-, Mittel- und Südosteuropa haben eine vielseitige kunstvolle Eiergestaltung entwickelt. Zur Anwendung kommen die verschiedensten Verzierungstechniken, die von einer reichen Symbolik der Farben und Ornamentik unterstützt und verstärkt werden.
So unterschiedlich die Herkunft, so verschieden sind auch die verwendeten Materialien. Neben dem Hühner-, Gänse- und Straußenei sind auch Werkstoffe wie Holz, Stein, Glas, Metall und Pappmasche vertreten.
Das Färben und Bemalen von Eiern ist in vielen Kulturen ein sehr alter Brauch, steht das Ei doch als Symbol für die Entstehung der Welt und des Lebens sowie für die Fruchtbarkeit.
Die künstlerische Gestaltung mit Farben und Ornamenten ist von den vielfältigen Riten und Vorstellungen der einzelnen Völker geprägt.
 
Aus den Regionen der Lausitz und Hessen werden Eier mit traditionellen Motiven in den verschiedenen Gestaltungstechniken wie Wachsbatik, Kratz-, Bossier- oder Ätztechnik vorgestellt.
Die farbenfrohen Ostereier der Huzulen fehlen ebenso wenig wie die prächtig bemalten Eier aus Russland. Von einer langen Tradition zeugen die Eier der Slowaken sowie die aus Böhmen und Mähren.
Verzierte Eier fanden nicht nur über alte Riten und religiöse Bräuche eine große Verbreitung. Sie waren und sind bis heute auch Freundschaftsgaben. In Hessen tragen die Eier neben Glückssymbolen wie z. B. Herzen, Lebensbäumen, Sonnensymbolen oder Kornähren auch kleine Sprüche. Hierbei handelt es sich um religiöse Sprüche oder Volksliedverse, aber auch kleine Liebesgedichte.
Farbenfroh sind die Eier der Sorben. Nach altem Brauch erhält jedes Patenkind drei der meist am Karfreitag verzierten Eier. Sie sollen Glück, Gesundheit und Wohlergehen symbolisieren.
Eine Besonderheit in der Ausstellung sind Eier aus Ungarn, die mit kleinen Hufeisen und Hufnägeln beschlagen wurden. Die Schmiedegesellen dort schenken ihrer Liebsten solche Eier als Beweis für ihre eigentlich zarten Hände.
Neben den christlichen Ostereiern der slawischen Völker sind auch zahlreiche verzierte Eier aus anderen Kulturbereichen zu sehen. Aus Indien kommen farbenprächtige Eier aus Pappmache. China besitzt eine alte, vielseitige, kunsthandwerkliche Tradition. Dieses spiegelt sich in der Gestaltung von Eiern in den verschiedensten Techniken, so z.B. bei der Verzierung von Glaseiern oder in den Lack- und Cloisonné-Eiern, wider.
 
Das christliche Osterfest ist für die römisch-katholische und die orthodoxe Kirche das älteste und höchste Fest des Kirchenjahres. Ihm geht eine entbehrungsreiche 40-tägige Fastenzeit voraus.
Im 4. Jahrhundert trennten sich die christlichen Kirchen endgültig vom Einfluss des jüdischen Festkalenders und charakterisierten Ostern als Fest der Auferstehung Christi. Da Jesu Tod und Auferstehung laut Neuem Testament in eine Passah-Woche fielen, bestimmt der Termin dieses beweglichen jüdischen Hauptfestes auch das Osterdatum. Es wird über einen Lunisolarkalender bestimmt und fällt in der Westkirche immer auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond, im Gregorianischen Kalender also frühestens auf den 22. März und spätestens auf den 25. April.
Mit der Ausbreitung des Christentums überlagerte das Osterfest auch die alten vorchristlichen Frühlingsfeiern. Geschickt wurden alte Riten fast nahtlos in christliche Bräuche überführt. Die Christen nutzten das Ei für die Verbreitung ihres Glaubens als Symbol der Auferstehungshoffnung der Menschen.
 
Ist das Eierverschenken ein uralter Brauch, so ist das Aufstellen von Passionskrippen eine relativ junge Erscheinung. Der Brauch der Fasten- und Osterkrippen hat gegen Ende des 18. und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Verbreitung gefunden. Zuerst nur in den Kirchen und Klöstern zu sehen, fand er ab dem späten 18. Jahrhundert den Weg in die Häuser und Wohnungen der Menschen. Hauptsächlich kleinbürgerliche und bäuerliche Kreise waren Träger dieses von den Passions- und Mysterienspielen abgeleiteten Brauches. Dargestellt werden die Leidensgeschichte von Jesus wie z.B.: Jesus mit seinen 12 Jüngern beim Abendmahl, Jesus vor Pilatus, die Geißelung und Verspottung, die Kreuztragung, die Kreuzigung, Kreuzabnahme und Grablegung sowie die Auferstehung.
Die Ostergeschichte bietet inhaltlich wie auch aus dramaturgischen Gesichtspunkten viele Gestaltungsmöglichkeiten. Die dargestellten Szenen sind stets lebendig, ergreifend und vor allem aber auch erzählerisch. Von den professionellen ebenso wie von den Volkskünstlern wird aus der eigenen christlichen Tradition heraus die Geschichte des leidenden Jesus Christus erzählt. Bis heute setzen sich die Menschen in den verschiedenen Ländern der Erde künstlerisch mit der Passionsgeschichte auseinander. Man holt die Geschichte sozusagen ins eigene Land, ins eigene Dorf, zu sich ins eigene Haus. Eine kleine Auswahl des volkskünstlerischen Schaffens wird in der Ausstellung präsentiert.

Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung
Verziertes Ei von Csuhay Tünde aus Ungarn
Ei von Csuhay Tünde, Ungarn
Cornelia Thor im Museum Grimma
Kreuzigungsszene aus Peru
Kreuzigungsszene aus Peru