Museumskonzeption des Kreismuseums Grimma

1. Auftragsbedingungen 

1.1. Warum eine neue Museumskonzeption

Das Kreismuseum Grimma besitzt seit vielen Jahren eine Museumskonzeption als internes Arbeitspapier. Im Zuge der veränderten Förderkriterien des Kulturraumes wurde diese Konzeption nun überarbeitet und auf den aktuellen Stand gebracht. Wies die alte Konzeption noch viele Aufgabengebiete bezüglich des Aufbaus einer neuen Dauerausstellung und Schaffung moderner konservatorisch einwandfreier Magazinräume auf, so sind diese Punkte aus der neuen Konzeption gestrichen. Im Laufe der letzten 20 Jahre konnten das Museum und die Magazinräume komplett saniert und den Anforderungen an moderne Standards im Museumsbereich angepasst werden.

Die materiell-technische Basis für eine entsprechende Museumsarbeit ist geschaffen worden, Dank der guten Zusammenarbeit zwischen dem Träger und dem Museum, vor allem aber auch durch die requirierten Fördermittel, die in den vergangenen 20 Jahren in das Museum und die museale Arbeit geflossen sind. 

Der Personalabbau in den ersten Nachwendejahren von 6,14 auf 2,63 VZÄ konnte in diesen Jahren durch den 2. Arbeitsmarkt kompensiert werden. Im Durchschnitt standen für die museale Arbeit zusätzlich zwei Arbeitskräfte über ABM zur Verfügung. In den letzten Jahren hat sich besonders der Museumsverein „Freundeskreis des Museums Grimma e.V.“ um die Beschaffung dieser zusätzlichen Arbeitskräfte bemüht. Diese Situation ändert sich nun. Der zweite Arbeitsmarkt bietet diese Möglichkeit nicht mehr. Auch aus diesem Grund muss die Museumskonzeption den realen Erfordernissen angepasst werden.    

Für die regionale Kultur und Identität ist es für ein Museum sehr wichtig, die Gegenwart als das direkte Ergebnis der Vergangenheit zu sehen. Nur so können die Ursachen und Wirkungen des eigenen Charakters richtig eingeschätzt werden. Das Museum muss verstärkt selber handeln, um zu einem echten kulturellen Faktor in der Region zu werden. Das alte Klischee von einem Museum muss abgebaut werden. Ein progressives Museum sollte ein spezialisiertes Institut sein, das u.a. die Dinge des Alltags der Menschen befragt und hinterfragt sowie moderne Phänomene erkundet und erklärt. Es kann nicht darum gehen, dem Besucher nur Glanzstücke zu präsentieren. So würde man nur eine unvollständige Vorstellung von der Kultur der Vergangenheit bekommen. Wir sehen diese im prunkvollen Festtagsgewand und nur sehr selten in ihrem meist dürftigen Werktagskleid. Grimma war eine Stadt der Kaufleute, Handwerker und Kleinbetriebe, der Schulen und Verwaltung. Und genau das muss sich in der Ausstellung ablesen lassen. 

Für das Museum ergeben sich die Fragen: Was erwartet die Bevölkerung der Region, was die Besucher und was der Entscheidungsträger von dem Museum? Welche Bedeutung hat es für die regionale Identität und Kultur? Wie sieht sich das Museum selbst?

Jedes Museum muss sich als ein Glied in einem regionalen und nationalen Netzwerk verstehen. Die Umsetzung dieser Forderung bedeutet für ein Museum und sein Personal natürlich die Bewältigung enormer Herausforderungen bei der Vermittlung vergangener Kultur und bei der Bereitstellung professioneller Sachkunde. Um thematische Wiederholungen in den Museen des Territoriums zu vermeiden, müssen sich die Museen vor allem in dieser Hinsicht profilieren. Bei der Ausstellungskonzeption spielen dabei die Alleinstellungsmerkmale eine wichtige Rolle. Die Kreisentwicklungskonzeption des Landkreises Leipziger Land setzt sich unter dem Punkt „Bevölkerung und Daseinsfürsorge“ die „Unterstützung bei der Herausarbeitung der Alleinstellungsmerkmale der jeweiligen regional bedeutsamen Museen unter spezifischen thematischen Gesichtspunkten zur Erhöhung der Attraktivität und zielgerechten Vermarktung, inhaltlicher Schwerpunktsetzungen zur musealen Aufarbeitung von Kunst und Literatur, Industrie/ Handwerk, Geologie/Kohle, Museen in Schlössern, Naturwissenschaft, etc. zum Ziel.

Auch die Frage, welchen Besucherkreis man ansprechen möchte, ist zu überlegen. In den Vorwendejahren waren der überwiegende Teil der Besucher Schulklassen aus der Stadt und dem Kreis Grimma, Arbeitskollektive aus den Betrieben und nur vereinzelt Touristen bzw. Familien. Um Grimma und Umgebung zu einem touristischen Zentrum auszubauen, ist es notwendig, auch das Museum attraktiv zu gestalten, das heißt den Besuchern unserer Stadt Einblick in Geschichte, Kultur und Lebensweise der Region zu geben. Unser Hauptaugenmerk liegt neben den Schulklassen bei dem Einzelbesucher. Das Museum muss zu einer wichtigen Kultureinrichtung der Stadt werden und sich in das gesamte Kulturangebot des Kreises eingliedern. 

  

1.2. Arbeitsgrundlagen und Ausgangssituation 

Das Kreismuseum Grimma fühlt sich den Grundsätzen des International Council of Museums (ICOM) verpflichtet. Dazu gehören die grundlegenden Aufgaben: Sammeln,  Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln. Das Museum versteht sich als historisches Kulturzentrum. Es will ein Forum für die Auseinandersetzung mit Geschichte sein. D.h. wir müssen heute weg vom museal angestaubten Haus und das Museum als Ort verstehen, an dem Geschichte in der lokalen Prägung erfahrbar wird. Gefragt ist ein aktives Museum mit Erlebnismöglichkeiten und Selbstbetätigung in vielfältiger Art. Kultur soll nicht ein hehrer Tempel sein, sondern selbstverständliche Lebensart, die, angeeignet im Genuss, auch auf diese Weise einfließt in den Alltag. 

Jedes Stadtmuseum trägt zur Identifikation der Bürger mit seinem Heimatort bei. Es festigt die Überzeugung, dass die Lebensform Stadt eine historisch bedeutsame Errungenschaft und damit auch heute ein grundlegender und sinnvoller Siedlungstyp ist. Und allein die Tatsache, dass es ein gutes Museum gibt, fördert das Selbstwertgefühl am Ort. Der Wandel der Geschichtsinteressen und der Fortschritte in der wissenschaftlichen Erforschung tragen dazu bei, dass jede Generation von neuem sich von liebgewordenen Geschichtsbildern trennen muss, die über Schule und Familie vermittelt worden sind, und dass neue, konkrete Einsichten in historische Zusammenhänge gewonnen werden. 

Die Auswirkungen des demografischen Wandels, insbesondere in den ländlichen Gebieten, erfordern eine bedarfsgerechte Anpassung der Angebote. Die Menschen sind die Zukunft und das Potential des Landkreises, das es zu erhalten und auszubauen gilt. Gestärkt werden muss die Verbundenheit mit der Region. Weiterhin muss die Anziehungskraft erhöht sowie Perspektiven, Chancengerechtigkeit und Zukunftsvertrauen entwickelt werden. So gehört zu einem familienfreundlichen Umfeld auch die Förderung einer Bildungskompetenz in enger Verbindung mit Geschichte und Kultur. Hier sieht das Kreismuseum seine Aufgabe. So formuliert auch der Landkreis in seinem Leitbild das Leitziel: Landkreis Leipzig – ein attraktiver Bildungs-, Kultur-, Sport- und Freizeitstandort mit Entwicklungspotentialen: „Die qualitativ hochwertigen Infrastrukturen in den Bereichen Bildung und Kultur, Sport und Freizeit sollen erhalten und weiterentwickelt werden, um jeden Einzelnen die Möglichkeit zu geben seine individuellen Fähigkeiten, Stärken und Talente zum Wohle jedes Einzelnen sowie der Gemeinschaft zu entwickeln. Der Kreis kann dabei zum einen von seiner Nähe zu Leipzig partizipieren und zum anderen bietet er selbst eine Vielzahl von Kultur-, Freizeit- und Sportangeboten, die sowohl für Besucher als auch Einwohner anziehend sind. Als attraktiver Wohnstandort steht das Ziel, auch unter veränderten Rahmenbedingungen vorhandene Angebote zu sichern, bedarfsgerecht anzupassen und nach außen zu kommunizieren.“

 

1.2.1. Sammeln und Bewahren 

Die Sammlung des Museums dient der wissenschaftlichen Dokumentation der siedlungsgeschichtlichen und historischen Entwicklung der Region um Grimma. Ihre Ursprünge reichen bis in das Jahr 1901 zurück. 

Heute sind die Musealien unter modernen Magazinbedingungen untergebracht. Die Magazine sind auf angemessene Sammlungserweiterung der nächsten 10 Jahren ausgerichtet. 

Das Sammeln, die Vermehrung, Pflege und Erhaltung der Sammlung sowie deren Erschließung und Aufbereitung gehören zu den Hauptaufgaben des Museums. Im Rahmen eines Sammlungsplanes ist das Sammeln insbesondere von unterschiedlichen Zeugnissen aus Kultur und Lebensweise der Bevölkerung im Muldental von den Anfängen bis zur Gegenwart kontinuierlich fortzusetzen. 

Planmäßig fortzuführen sind Erhalt- bzw. Restaurierungsmaßnahmen von Musealien mit Seltenheitswert und stadtgeschichtlicher Relevanz einschließlich gefährdetem Schriftgut. 

 

  1. Museale Präsentationen und Vermittlungsformen 

Die ständige Ausstellung im Museum ist und bleibt das Kernstück des musealen Ausstellungswesens; sie reflektiert und präsentiert die Ergebnissedes Forschens, desSammelns, des Inventarisierens zur Stadtgeschichte Grimmas. Sie ist unter Berücksichtigung historischer Schwerpunkte und didaktisch-methodischer Ansprüche von Zeit zu Zeit zu modifizieren, zu ergänzen und neu zu ordnen.

Sonderausstellungen im Museum erfüllen den Zweck, die stadtgeschichtlichen Ausstellung und ihre Bereiche thematisch zu ergänzen oder nicht Dargestelltes aufzugreifen, zu erforschen und mit einer Ausstellung das Ergebnis der Arbeit vorzulegen, aber auch Künstlern, Privatsammlern, Vereinen und Anderen die Möglichkeiten zu geben, über ihre Tätigkeit der Öffentlichkeit zu berichten, ihre Arbeit vorzustellen.

Jede Ausstellung, die sich mit einem stadt-, kunst- oder kulturgeschichtlichen Thema beschäftigt, erfordert in der Vorbereitung ein umfangreiches Maß an Forschungsarbeit. In der Zukunft sollte verstärkt auch außerhalb von Ausstellungsvorhaben Forschung zu verschiedenen Themen betrieben werden.

 

  1. Zuständigkeiten

Die folgende Museumskonzeption wurde nach Abstimmung mit dem Kreismuseum Wyhra durch die Museumsleiterin Marita Pesenecker erarbeitet, im Mitarbeiterkreis diskutiert, anschließend mit dem Kulturamt des Landkreises abgestimmt und dem Kulturausschuss des Kreistages Leipzig zur Beschlussfassung vorgelegt.

 

2. Vision zur Museumsentwicklung 

Unser Museumsteam verfolgt für die Zukunft vier Ziele:

  1. Ausbau der Museumspädagogik
  2. Beförderung des Tourismus
  3. Hilfestellung für kleine Museen ohne Fachpersonal
  4. stärkere Identifikation der Bürger mit ihrem Museum

a) Der gesellschaftliche Auftrag und die Notwendigkeit der kulturellen Bildung, insbesondere der Kinder und Jugendbildung, nimmt auch die Museen in die Pflicht. Museen verfügen als Ort schulischer wie außerschulischer Bildung über Potentiale, die es gegenwärtig und zukünftig zu nutzen und auszubauen gilt. Kulturelle Bildung als unverzichtbarer, integraler Bestandteil von Bildung wie von Kultur und Querschnittsaufgabe verschiedener Politikfelder verlangt die stärkere Förderung auch der Museen auf diesem Feld. Museen sind stimulierende Lernumwelten, können Interesse wecken und bieten neben Sinnstiftung und Orientierung- durch die Beschäftigung mit Kunst, Kultur, Natur und Geschichte am realen Objekt- Raum für selbstgesteuertes und emotional fundiertes Lernen. Die Rahmenbedingungen hierfür müssen mit dem Kultusamt des Landratsamtes sowie den verschiedenen Bildungsträgern effektiver gestaltet werden, um das auf dem Gebiet der Kunst und Kultur bereits bestehende Angebot mit dem vorhandenen Bedarf koordinieren und vernetzen zu können. Der Museumspädagogik und ihrer personellen Absicherung kommt dabei ein zentraler Stellenwert zu.

Das Kreismuseum Grimma setzt sich das Ziel, die Angebote der kulturellen Bildung für Kinder und Jugendliche in Gemeinschaft mit den Schulen weiter auszubauen.

Wir möchten in Zukunft ein echter Partner für die Schulen sein. Der Geschichts- und Sachkundeunterricht kann durch Museumsbesuche bereichert werden. Kinder und Jugendliche können hier erfahren, dass Geschichte nichts Abstraktes ist sondern sich auch hier vor Ort, in der eigenen Stadt, in der eigenen Region abspielte. Damit kann das Heimatbewusstsein wieder mehr in den Mittelpunkt gerückt werden. In Anbetracht einer immer globaler werdenden Welt, ein wichtiges Anliegen. Neben dem Ort des Lernens sollten die Kinder und Jugendlichen ein Museum aber auch als einen Erlebnisort begreifen lernen, als einen Ort, an dem Geschichte und Geschichten bewahrt werden. Hier sollen Anregungen mit auf den Weg genommen, hier sollen Interessen geweckt werden. Das erreicht man in der Regel nicht mit einer Museumsführung, sondern eher durch interaktive Programme mit einem hohen Selbstbetätigungsgrad der Kinder und Jugendlichen.

Das Museum führt seit 2010 zusammen mit den Schülern des Gymnasiums St. Augustin ein Projekt zum Thema „Flucht, Vertreibung, Integration“ durch. Dabei geht es unter anderem um eine Zeitzeugenbefragung, die die Schüler selbständig durchführen. Insgesamt sind 40 Interviewpartner aus dem ehemaligen Kreis Militsch-Trachenberg (Schlesien) zu befragen. Zunehmend entwickeln die Schüler Eigeninitiative. Eine gemeinsame Fahrt nach Schlesien konnte das Interesse für dieses Thema weiter vertiefen. Durch die Berichte der Vertriebenen ist das Interesse für das Problem des Verlustes der Heimat geweckt. Die Jugendlichen verstehen durch Empathie und Perspektivwechsel, welche menschlichen Aufgaben für den Einzelnen damals gemeistert wurden. Daraus erwächst für sie auch die Möglichkeit, diese Erkenntnisse in die Gegenwart zu übertragen. 

Dieses Projekt ist nur ein Beispiel dafür, wie Museumspädagogik funktionieren kann und woran wir in der Zukunft anknüpfen möchten. 

b) Das Museum ist ein wichtiger Aspekt einer touristischen Infrastruktur mit Potential und bietet einen Bildungs- und Erlebnisraum für die Bürger des Landkreises Leipzig und für Touristen. So hat sich der Landkreis zur Aufgabe gemacht, den Standortfaktor Tourismus weiter zu entwickeln. Dabei stehen unsere vielfältige Natur- und Kulturlandschaft mit den entstehenden Seen, die Nähe zur Großstadt mit ihren kulturellen Angeboten sowie unsere eigene Tradition, Kultur und Geschichte als Alleinstellungsmerkmal im Wettbewerb der Regionen. Der Tourismus gewinnt damit weiter als Wirtschaftsfaktor im Landkreis Leipzig an Bedeutung.

Ein touristisch wichtiger Faktor ist dabei die Entwicklung des Naturparks Muldenland. Die bestehenden Angebote in den Bereichen Tourismus, Kultur und Sport sollten weiter ausgebaut und die äußerst vielfältige Museums- und Ausstellungslandschaft dabei weiter vernetzt und entwickelt werden. Daher spielen leistungsfähige touristische Organisations- und Vermarktungsstrukturen, wie sie u.a. durch den Naturpark Muldenland angelegt sind, eine wichtige Rolle. 

c) Ein „neues“ Aufgabenfeld soll die Betreuung von Heimatstuben bzw. kleinerer musealer Einrichtungen ohne Fachpersonal in der Regionwerden. Der Bedarf für die fachliche Beratung und Anleitung ist dringend gegeben. Bis 1990 war dies eine singuläre Aufgabe der Kreismuseen, die sich in der Praxis auch bewährt hatte. Im Muldental gibt es eine ganze Reihe kleiner Museen und Heimatstuben, die von geschichtsinteressierten Bürgern geführt werden. Dieses bürgerschaftliche Engagement kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Meist verfügen diese Mitstreiter der musealen Einrichtungen über keinerlei Kenntnisse über Sammlungsdokumentation, Lagerung, Konservierung oder die konservatorischen Bedingungen für die verschiedenen Materialgruppen ihrer Sammlung. Hier könnten die beiden Kreismuseen wichtige Anleitungen geben, um die Mitarbeiter im Ungang mit ihrem Sammlungsgut zu befähigen. Damit könnte das Kreismuseum Grimma z.B. die städtischen Einrichtungen, wie die Museen in Pegau, Kitzscher, Rötha oder Mutzschen fachlich mit betreuen.

d) Aber auch die Bewohner der Stadt bzw. im Umland von Grimma sollen sich stärker als bisher mit ihrem Museum identifizieren. Das bürgerschaftliche Engagement muss hier in Zukunft eine noch wichtigere Rolle spielen. Das bedeutet aber, dass die verschiedenen Besuchergruppen mit gezielten Programmen und Aktivitäten angesprochen werden müssen.

Außerdem möchten wir in Zukunft auch Besuchergruppen erschließen, die bislang nicht zu den Stammgästen des Hauseszählen, wie Asylbewerber, Emigranten, Behinderte. 

Die Museen mit ihren anerkannten Funktionen des Sammelns, Bewahrens, Erforschens, Ausstellens und Vermittelns erfüllen einen anerkannten hohen kulturellen und gesellschaftlichen Bildungsauftrag, welchem angesichts des Globalisierungsprozesses zukünftig noch größere Bedeutung zuwachsen wird. Die geistige und habituelle Verankerung der Menschen in ihrer Region ist eine mögliche Antwort auf die vielfach als Verunsicherung und tendenziell als Entwurzelung interpretierte Globalisierung. Ein Trend zur Regionalisierung ist europaweit zu bemerken.

Diese hier gesteckten Ziele lassen sich aber nur mit einer Erweiterung des Personalbestandes verwirklichen. Aktive Kulturarbeit lässt sich nur mit einem entsprechenden Museumsteam verwirklichen, zu dem unabdingbar ein Museumspädagoge gehört. Die Lehrer aber auch die Bürger brauchen einen festen Ansprechpartner im Museum.

Unser Museum besitzt alle räumlichen und technischen Voraussetzungen für eine gute museumspädagogische Arbeit. Um diese Voraussetzungen zu schaffen, ist viel Geld und Initiative in das Museum geflossen. Jetzt sollten diese Ressourcen auch genutzt werden. 

 

3. Stärke/Schwäche-Analyse des Museums 

3.1. Historische Entwicklung des Museums Grimma

1901 gründete sich in Grimma der Geschichts und Altertumsverein. Die aktiven Mitglieder und gleichzeitig Begründer waren Lehrer wie Prof. Liedloff, Dr. Henning, Herr Stephanus sowie Bürger der Stadt, die vom bürgerlich demokratischen Bildungsideal erfüllt waren. 

Erste Räumlichkeiten erhielt der Verein von der Stadtverwaltung im Jahre 1902 in der ehemaligen Mädchenschule kostenlos zur Verfügung gestellt. 

Erst waren es nur die Räume im Erdgeschoss und schon zwei Jahre später kam das erste Obergeschoss dazu. Es wurde ausgestellt, was man gesammelt bzw. was die Bürger Grimmas dem Verein geschenkt oder als Leihgabe zur Verfügung gestellt hatten. Ein Magazin gab es nicht. Dafür trug die gesamte Ausstellung den Charakter eines großen Schaumagazins, in welchem die Musealien der verschiedensten Themenbereiche nebeneinander in der Vitrine Aufstellung fanden. Diese Ausstellungen waren von einer wissenschaftlichdidaktisch aufbereiteten Präsentation weit entfernt. Für eine konservatorische bzw. restauratorische Betreuung fehlten nicht nur das Geld, sondern auch die entsprechenden Fachkräfte. Mit steigendem Sammlungsbestand und damit einhergehender räumlicher Beengung, auch finanzieller Not, suchte der Verein nach anderen Lösungen.

Der Geschichts und Altertumsverein schenkte die Sammlung nach dem 2. Weltkrieg der Stadt Grimma. Eine Weiterführung des Museums auf ehrenamtlicher Basis war nicht mehr möglich. Zur Koordinierung der Arbeit und besseren Betreuung der Sammlung wurde ein Museumsleiter eingestellt. Frau Renate SturmFrancke entwarf aus museumspädagogischer Sicht einen chronologischen Rundgang, wobei sie auf die Vermittlung der Heimatgeschichte großen Wert legte. Während ihrer fünfjährigen Tätigkeit im Museum bemühte sie sich darum, das Museum in die Trägerschaft des Kreises zu überführen. Die inhaltliche Arbeit des Museums hatte sich in den letzten Jahren erweitert. So hatte Renate Sturm-Francke z.B. die Inventarisation der Baudenkmale im Kreis übernommen. Außerdem engagierte sie sich stark für die Inventarisation der Bodendenkmale und arbeitete hier sehr eng mit dem Landesmuseum für Ur- und Frühgeschichte in Dresden zusammen. Weiterhin pflegte sie einen sehr engen Kontakt zu kleineren Heimatstuben. Der Trägewechsel erfolgte 1956. Seit dieser Zeit ist der LandkreisEigentümer des Kreismuseums.

 

3.2. Sammlungen

In den Depots des Kreismuseums Grimma werden derzeit ca. 37.000 Exponate verwaltet, welche in mehr als 100 Jahren intensiven Sammelns zusammengetragen wurden.

Heute umfasst die Inventarliste neben mehreren wertvollen Objekten der sakralen Plastik auch historische Stadtinsignien wie Gerichtsschild und schwert, Bürgermeisterbildnisse, Musealien zur Geschichte der Fürsten- und Landesschule sowie bedeutendes Innungsgut. Kostbarkeiten sind weiterhin die überregionale Grafiksammlung, die gewachsene Bibliothek mit ihren ca. 10 000 Büchern und Schriften sowie Archivalien, eine Militariasammlung, kunsthandwerklich bedeutende Textilien, Gläser, Porzellan und Zinngegenstände. Die Sammlung ist unterteilt in Sach- und Materialgruppen (Inventarisierungsprinzip nach Knorr)

Sach-/ MaterialgruppeAnzahl der Exponate 

Porzellan1300

Glas500

Zinn350

Textilien1950

Möbel200

Militaria400

Abzeichen, Orden, Medaillen800

Stadtgeschichte2500

Dorfgeschichte1000

Sakrale Kunst100

Bildende Kunst300

Plastik70

Grafik5600

Lampen200

Plakate1800

Uhren, Feinmechanik300

Fotos6500

Ur- und Frühgeschichte600 Kartons

Körbe1000

Archivalien4000

Ansichtskarten1200

Spielzeug750

Geologie300

Bibliothek10 000 

Wollte man den Wert der Sammlung vorsichtig schätzen, käme man auf eine Summe von mehreren Millionen Euro. Viel wichtiger ist jedoch, welchen ideellgesellschaftlichen Wert diese Musealien für die Bürger darstellen. So muss man sich vergegenwärtigen, dass es sich hierbei um Unikate, um unwiederbringliches Kulturgut handelt. Das Museum bewahrt damit ein Stück der Geschichte der Region um Grimma und somit einen Teil der Identität ihrer Bürger. 

In den letzten 20 Jahren konnte eine nicht geringe Anzahl von Objekten restauriert werden. Die in der ständigen Ausstellung präsentierten Musealien sind restauriert und befinden sich in einem sehr guten Zustand. Es handelt sich dabei z.T. auch um die historisch wertvollsten Objekte. Jährlich werden weitere Restaurierungen und Konservierungen an den Magazinbeständen vorgenommen. Schwerpunkte lagen bisher bei der umfangreichen Grafiksammlung, den Büchern, Archivalien und Kleinmöbel wie Innungstruhen.

Die Korbsammlung des Museums befindet sich seit vielen Jahren in Schönbach. Dort existiert ein sehr aktiver Heimatverein, deren Mitglieder eine Heimatstube in der ehemaligen Käserei des Dorfes einrichteten. In diesem Gebäude hat das Museum zwei Räume angemietet und die umfangreiche Sammlung von ca. 1000 Körben dort untergebracht. Zugänglich gemacht wird die Sammlung von den Mitgliedern des Heimatvereins.

Bis auf ganz wenige Ausnahmen ist der gesamte Sammlungsbestand dokumentiert. Seit einigen Jahren arbeitet das Museumsteam an der digitalen Erfassung der Bestände mittels der museumsspezifischen Software HIDA. 

Das Museum hat sich auf Empfehlung der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen vor rund 15 Jahren für dieses Softwareprogramm entschieden. Für eine den Erfordernissen eines modernen Museums adäquate Inventarisierung ist eine Erfassung des Museumsgutes mit Hilfe einer entsprechenden Software unerlässlich. Im Rahmen dieser computermäßigen Erfassung sind mehr oder wenigerumfangreiche Recherchearbeiten zu den Objekten notwendig, die z.T. sehr zeitaufwändig sind. Bisher wurde diese digitale Erfassung vor allem durch die zusätzlichen Arbeitskräfte des 2. Arbeitsmarktes realisiert. Fachliche Anleitung erhielten sie dabei vom Museumspersonal. In der Zukunft kann diese Arbeit nur noch von den fest angestellten Mitarbeitern, allerdings zu Ungunsten anderer Tätigkeiten, übernommen werden.

In den vergangenen Jahren konnten der gesamte Bibliotheksbestand, die Fotosammlung, die Ur- und Frühgeschichte und die stadtgeschichtliche Sammlung komplett erfasst werden, der Grafikbestand mit seinen ca. 6000 Blättern ist gerade in Arbeit. Durch die digitale Erfassung der Bestände ist ein schneller Zugriff auf gesuchte Objekte möglich. Bei der Foto- und Grafiksammlung kommt hinzu, dass nicht mehr das Original herausgesucht werden muss, sondern durch gezielte Suchanfragen das entsprechende Motiv gefunden und ausgedruckt bzw. auf CD weitergereicht werden kann. Die manuelle Beanspruchung der Objekte durch den Zugriff entfällt damit, was für den Bestandserhalt von sehr großem Wert ist.  

Die Sammlung wird ständig erweitert durch Ankauf, zunehmend aber auch durch Schenkungen von Bürgern. Die Schwerpunkte der Sammlungserweiterung liegen bei stadtgeschichtlich historisch relevanten Objekten aber auch bei Zeugnissen der dörflichen Volkskultur. Weiterhin sind wir bemüht im Rahmen unseres finanziellen Budgets die Bibliothek, das Archiv und die Grafiksammlung mit regional bedeutenden Objekten zu vervollständigen. Die Ur- und Frühgeschichte wird keine Sammlungserweiterung erfahren, da die Zuständigkeit für archäologische Grabungen und damit auch der Verbleib der Fundstücke beim Sächsischen Landesamt für Archäologie liegen.   

 

3.3. Standort

Das Museum befindet sich in einem der geschichtsträchtigen Baudenkmale der Stadt. Von 1529 bis 1888 befand sich auf dem Gelände des ehemaligen Augustinerkirchhofes die städtische Mädchenschule. Das Gebäude steht genau wie das Magazin Paul-Gerhardt-Straße 32 unter Denkmalschutz. Beide Häuser liegen in unmittelbarer Nachbarschaft, was arbeitstechnisch von großem Vorteil ist. Nachteilig wirkt sich die etwas abgelegene Stellung des Museums unmittelbar an der Mulde aus. Bei Hochwasser ist es dadurch besonders gefährdet. Für Besucher der Stadt ist das Museum schwer zu finden, da die Wegweisung zum Museum nur sehr unzureichend ist.  

Zum Museum gehört ein relativ großes begrüntes Freigelände, das vom Museumspersonal gepflegt wird. Auf dem Hof finden in den Sommermonaten Veranstaltungen, Konzerte und zum Teil auch die Museumspädagogik statt. Außerdem bietet er den Besuchern eine Ruhezone.

 

3.4. Gebäude 

Das genaue Alter des Museumsgebäudes ist nicht zu ermitteln. Aus den Bauakten des Stadtarchivs geht nur hervor, dass es in der Mitte des 19. Jh. grundlegend umgebaut und um eine Etage erhöht wurde. Im 20. Jh. erfolgten immer wieder kleinere Reparaturen und Ausbesserungsarbeiten. Wenige Jahre nach der Wende stellte der Leipziger Holzgutachter Holger Voigt fest, dass alle Holzbalken im Haus völlig desolat waren.

Von 1995 bis 1997 erfolgte eine Generalsanierung des gesamten Gebäudes. In fast allen Etagen wurden neue Decken eingezogen, das innenliegende Fachwerk in der         2. Etage entfernt, die Mauern und der Dachstuhl saniert und damit die Stabilität des Hauses wieder hergestellt. Das Museum erhielt eine Heizung, die Elektrik wurde komplett erneuert, der Magazinbereich konnte um eine Etage im Spitzboden erweitert werden. 

Schwere Schädigungen erlitt der Erdgeschossbereich während des Augusthochwassers 2002. Die baulichen Schäden konnten in den darauf folgenden zwei Jahren beseitigt werden. Anfang 2006 war auch die letzte Ausstellung wieder eingerichtet. Das Museum erhielt in Anbetracht des Gesamtschadens an dem Sammlungsgut ein neues Magazingebäude für die Unterbringung der Bibliothek, der Ur- und Frühgeschichte, der Ofensammlung und ein Lager fürAusstellungstechnik. 

In beiden Häusern sind entsprechende Sicherheitsanlagen installiert, die bei der BIG aufgeschaltet sind. Weiterhin wurden für die Häuser Brand- und Katastrophenschutzpläne ausgearbeitet.

Die Magazinräume entsprechen klimatisch, technisch und sicherheitsmäßig den modernen Standards eines Museumsmagazins. Die Klimaüberwachung erfolgt mittels Thermohygrografen. Für problematische Klimaverhältnisse stehen Be- und Endfeuchter zur Verfügung. Eine Klimaanlage erweist sich in den alten Gebäuden mit ihren dicken Wänden als nicht erforderlich.   

Die letzte große bauliche Maßnahme war die Neugestaltung des Hofbereiches. Damit befindet sich das Museum heute in einem sehr guten baulichen Zustand.

Insgesamt hat das Museum 300 qm Ausstellungsfläche und 600 qm Magazinraum.

 

3.5. Museumspersonal

Seit 1992 arbeitet das Kreismuseum mit einem Personalbestand von drei festangestellten Mitarbeitern. Geleitet wird das Museum von einer vollzeitbeschäftigtenKulturwissenschaftlerin mit museologischer Ausbildung. Angestellt sind weiterhin ein technischer Mitarbeiter mit 40 und eine museale Hilfskraft mit 25 Wochenstunden. 

Die in der Konzeption festgelegten inhaltlichen und organisatorischen Aufgaben lassen sich mit dieser Personalsituation nur bedingt umsetzen. Daher wurde in den letzten 20 Jahren auf Beschäftigte des 2. Arbeitsmarktes (ABM, 1,- Euro Job, KommunalKombi, Wir für Sachsen) zurückgegriffen. Hier wurde der Verein „Freundeskreis des Museums Grimma e.V.“ immer mehr in die Pflicht genommen. Seit einigen Jahren werden diese Arbeitskräfte fast ausschließlich über den Verein beantragt. Dieser Rückgriff auf den zweiten Arbeitsmarkt wird perspektivisch nicht mehr möglich sein. 

Erforderlich sind daher neue Überlegungen zur Personalstruktur und –entwicklung, die auf mehr Flexibilität und Fachkompetenz abzielen.

Zur Betreuung einer musealen Sammlung sowie der Durchführung qualifizierter museumspädagogischer Arbeit ist ein entsprechend ausgebildetes Fachpersonal dringend erforderlich. Der Studiengang Museologie an der Fachhochschule in Leipzig ist vor Jahrzehnten aus der dringenden Notwendigkeit entstanden, Museumspersonal zu befähigen, ein Museum nicht nur zu leiten, sondern auch konservatorische Entscheidungen zu treffen sowie Konzepte für verschiedene Ausstellungsthemen und museumspädagogische Projekte zu erarbeiten. D.h. der Notwendigkeit von geschultem Personal für die Museen wurde hier entsprochen. Auch innerhalb der Sparte „Museen“ des KulturraumesLeipziger Raum wurde zur Abgrenzung zu Heimatstuben und historischen Ausstellungenund zum Selbstverständnis eine Museumsdefinition erarbeitet, in welcher für alle Museen das entsprechende Fachpersonal als eine wichtige Voraussetzung für die Förderung festgeschrieben wurde.

Perspektivisch braucht das Museum dringend einen Museumspädagogen, der eng mit Schulklassen und anderen sozialen Gruppen zusammenarbeitet. Die Erfahrungen der letzten Jahre belegen, dass man mit der vorhandenen Personalausstattung bei der museumspädagogischen Arbeit schnell an seine Grenzen kommt. Die materiell-technischen Voraussetzungen sind gegeben, jetzt heißt es, das Personal entsprechend aufzustocken, um kulturelle Bildungsarbeit überhaupt leisten zu können.

 

3.6. Ausstellungen

Die Ausstellungsstruktur des Kreismuseums Grimma wird im Punkt 3.11. „Ausstellungskonzeption“ ersichtlich. Insgesamt kann eingeschätzt werden, dass das Museum über eine wissenschaftlich fundierte, didaktisch und gestalterisch gute aufbereitete Dauerausstellung verfügt. In Etappen wurde über mehrere Jahre das gesamte Museum neu gestaltet. 

Im Jahr werden drei Sonderausstellungen von den Museumsmitarbeitern erarbeitet. Dabei befasst sich mindestens eine dieser Ausstellungen stets mit einem stadtgeschichtlichen Thema. Interaktiv, lebendig und leicht verständlich aber auch wissenschaftlich fundiert werden auf diesem Weg die Ergebnisse eigener Forschungsarbeit präsentiert.

Da für Forschungsarbeit im Rahmen der anfallenden Aufgabenbereiche nur wenig Zeit bleibt, ist eine Sonderausstellung besonders dazu geeignet über ein bestimmtes Thema der Geschichte, Kultur- und Kunstgeschichte oder Alltagskultur zu forschen. Im Rahmen der Sonder- und Dauerausstellungen finden Vorträge und Veranstaltungen statt. Für die Veranstaltungsreihe stehen Laptop, Beamer, Fernseher, Videogerät, Diabetrachter zur Verfügung.

 

3.7. Besucher und Zielgruppen

Die Inhalte des Museums sollen an möglichst viele Zielgruppen vermittelt werden. Damit soll die Akzeptanz des Museums in der Bevölkerung gestärkt und der öffentliche Auftrag des Museums unterstrichen werden.  

Das aktive und intensive Erleben spielt in der Urlaubszeit eine immer größere Rolle. Damit sind die Inszenierung und das Angebot von Erlebnissen ein Qualitätsmerkmal und ein zentraler Punkt bei der Angebotsplanung. Natur, Kultur, Geschichte und Gastronomie sind dabei besonders nachgefragte Felder, die wiederum den Trend nach mehr Regionalität unterstützen.

Für Touristen bietet das Museum eine Fülle an Informationen zur Grimmaer Stadtgeschichte aber auch zu einzelnen Handwerken. Seit vielen Jahren gehören auch Führungen in und um Grimma zum touristischen Angebot. Hier sind Themenwanderungen zu den verschiedenen Mühlen, zum Kloster Nimbschen mit seiner berühmten Nonne Katharina von Bora, zu den Grimmaer Sagen, zum Nikolaialter u.a. zu nennen. Mit seinem begrünten Hofbereich bietet das Museum auch einen Ort der Erholung und Entspannung während des Stadtrundganges.  

Im Muldental befinden sich eine Vielzahl schulischer Einrichtungen: 23 Grundschulen, 9 Mittelschulen, 3 Gymnasien, 3 Berufliche Schulzentren- eins davon in freier Trägerschaft, 4 Förderschulen und 4 Schulen in freier Trägerschaft. Besonders die Grund- und Mittelschulen gehören zu den Hauptbesuchergruppen des Kreismuseums.

Über die Museumspädagogik erschließen sich ganz im Sinne der weiteren Profilierung des Kreismuseums neue Wege der Vermittlungstätigkeit und Außenwirkung der Einrichtung.

Für die museumspädagogische Arbeit wurde ein Angebotskatalog erstellt, welcher allen Schulen im ehemaligen Muldentalkreis zugesandt wurde. Dieser Katalog unterliegt ständigen Veränderungen. Damit reagiert das Museum auf Lehrplanänderungen und neue Strukturformen wie Ganztagsschulen oder die Einführung des fächerübergreifenden Unterrichts. Die methodisch und didaktisch aufbereiteten Vermittlungsformen beinhalten:

- personelle Vermittlungsformen

  z.B. Besuchergespräche, Führungen, Themenwanderungen, Familiennachmittage

- mediale Vermittlungsformen

  z.B. besucherorientierte Texte, Tonbildschauen, Video

Im Rahmen der museumspädagogischen Arbeit kommt der Zusammenarbeit mit den Schulen der Stadt und in der Region eine zentrale Bedeutung zu.

Neben den Kindergärten, den Schulklassen, den Einwohnern der Region sowie den Touristen gilt es weitere Zielgruppen zu erschließen: 

Schüler, die im Rahmen ihrer Feriengestaltung nach entsprechenden Angeboten suchen

Gymnasien

Berufliche Schulzentren

Jugendherbergen

Kinderheim

Senioren und Behindertengruppen

Generationsübergreifende Besuchergruppen

Asylbewerber  

Das Museum bietet konstante Öffnungszeiten: Dienstag-Freitag und Sonntag von 10.00 bis 17.00 Uhr. Außerhalb dieser regulären Öffnungszeiten werden Führungen auch auf Anfrage durchgeführt.

 

3.8. Öffentlichkeitsarbeit 

Die Inhalte des Museums sollen an möglichst viele Zielgruppen vermittelt werden. Damit wird die Akzeptanz in der Bevölkerung gestärkt und der öffentliche Auftrag des Museums unterstrichen. Mit der Ausrichtung des Marketings auf Familien möchten wir den Schritt zu einem „Museum der Generationen“ - in dem sich Jung und Alt mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen gleichermaßen zu Hause fühlen können - tun. 

Vor vier Jahren hat das Museum in Zusammenarbeit mit der Grafikerin Katrin Köstler ein Corporate Design erstellt. Damit sind für das Haus Vorgaben vorhanden, die für die Erarbeitung der Ausstellungstexte und Werbemittel wie Flyer, Plakate bindend sind. Es ist ein wichtiger Bestandteil der ganzheitlichen, nach innen und außen gerichteten Unternehmenskommunikation. Durch das Corporate Design entsteht ein einprägsames Bild des Museums, eine einzigartige Struktur, ein Symbol für die Firmenphilosophie und Unternehmensstruktur.  

Die Werbung für das Kreismuseum erfolgt mittels:

Printmedien: wie Faltblatt, Plakat, Veranstaltungskalender der Stadt, der Denkmalschmiede und anderer Publikationen in der Region.

Schulen werden gesondert angeschrieben, um die neuen Sonderausstellungen und die museumspädagogischen Programme näher vorzustellen.

In den regionalen Zeitungen wie LVZ, Rundschau, SachsenSonntag gibt das Museum seine Sonderausstellungen und Veranstaltungen bekannt. Interessante Ankäufe oder Schenkungen sowie historische Abhandlungen werden ebenfalls in der LVZ veröffentlicht. 

Internet: das Museum hat eine eigene Homepage, die mit der der Stadtverwaltung Grimma und anderen Tourismusseiten und Veranstaltungsplattformen, wie dem Kulturserver, Museumsentdecker Sachsen, dem Kulturraumauftritt vernetzt ist. Auf der Internetseite des Museums findet der Besucher Informationen zur Geschichte des Hauses und des Museums, zu den Dauerausstellungen, zu den Sonderausstellungen und Veranstaltungen sowie die museumspädagogischen Angebote. Der Internetauftritt des Museums wird ständig aktualisiert.

Stadtfernsehen: das Regionalfernsehen berichtet regelmäßig über die Sonderausstellungen und vereinzelt auch über Veranstaltungen des Museums. 

Vortragstätigkeit: zu stadt- oder landesgeschichtlich oder kulturhistorisch interessanten Themen werden Vorträge organisiert. Der Schwerpunkt liegt hier u.a. auch bei den Sonderausstellungsthemen.

Veranstaltungen: das Museum profiliert sich im Sinne eines geistig-kulturellen Zentrums der Stadt Grimma zu einer Stätte mit spezifischem Veranstaltungscharakter, zu einem Veranstaltungsort für Vereinsversammlungen, Lesungen, Gesprächsrunden, Familiennachmittagen, themenbezogenen Stadtführungen.

Ein großes Problem ist die innerstädtische Ausschilderung. Vor zwei Jahren ist es dem Museum gelungen an den großen Zufahrtsstraßen der Stadt braune Hinweisschilder aufzustellen. Diese hören aber im Altstadtgebiet auf, so dass Touristen das Museum nur schwer finden können. Gespräche mit der Stadtverwaltung haben stattgefunden, aber zu keinem Ergebnis geführt. Zur Zeit ist von Seiten der Stadtverwaltung keine Ausschilderung der Sehenswürdigkeiten in der Altstadt geplant, so dass sich dieser Zustand in absehbarer Zeit nicht ändern wird. 

  

3.9. Haushalt

Der Finanzhaushalt zur Betreibung des Museums einschließlich der Personal- und Sachkosten, Ankauf und Restaurierungsmittel, liegt gegenwärtig bei 175.500 Euro im Jahr, wobei 126 000,- Euro aus Mitteln des Kulturraumes bereitgestellt werden. 

Im Verhältnis zu anderen Museen vergleichbarer Größe ist die Finanzausstattung des Kreismuseums relativ gering. Es konnten dafür aber in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Amtdes Landkreises in den letzten 20 Jahren Fördermittel von mehreren Millionen Euro requiriert werden. Mit diesen konnte nicht nur das Museum komplett saniert sondern auch eine neue Dauerausstellung mit der entsprechenden Museumstechnik aufgebaut, einige große Sonderausstellungen erarbeitet, Restaurierungsvorhaben realisiert, Ankäufe getätigt und die computermäßige Erfassung der Museumsbestände vorangetrieben werden. Das neue Magazingebäude wurde ebenfalls mit Fördermitteln saniert. Diese Fördermittel stehen heute aber kaum mehr zur Verfügung.

Der Verwaltungshaushalt der Einrichtung mit einem Volumen von 160.000 Euro deckt den Mindestbedarf zur Aufrechterhaltung des Museumsbetriebes ab. Die Finanzmittel zur Bewirtschaftung lassen keine Spielräume zu: die Versorgung mit Energie, Wasser, Wärme ist abzusichern und die gesetzlichen Verpflichtungen sind einzuhalten (Brandschutz, Sicherheit, Arbeitsschutz etc.). 

Für die inhaltliche Arbeit stehen gerade einmal um die 12.000 EUR zur Verfügung. Davon sind im Jahr drei Sonderausstellungen zu bestreiten, Veranstaltungen zu organisieren und durchzuführen, museumspädagogische Projekte umzusetzen, die Öffentlichkeitsarbeit sicherzustellen, Ankäufe und Restaurierungen zu tätigen. Pro Jahr kann, wenn überhaupt, eine Restaurierung geplant werden; oftmals einmalige Angebote zum Erwerb musealer Objekte können nicht realisiert, nur Kleinankäufe getätigt werden.

Unvorhersehbare Mehrausgaben bei den Bewirtschaftungskosten gehen zudem zu Lasten der musealen Arbeit. So können sich die Bezahlung eines ausgelösten Fehlalarms oder eines zu ersetzenden technischen Gerätes bereits im Haushaltsvollzug so gravierend niederschlagen, dass ein geplantes Vorhaben gestrichen werden muss.

Etwas Erleichterung in der angespannten Finanzsituation bringen nach wie vor Fördermittel für fachspezifische Projekte, wobei in den letzten Jahren das Aufbringen der Eigenmittel, die zwischen 20 und 30 Prozent liegen, bereits zum Kraftakt wird. 

Künftig sind zur finanziellen Absicherung der Aufgabenstellungen Schwerpunkte zu setzen, die im  jährlichen Haushalt zu berücksichtigen sind. Prioritäten haben u.a.:

- verstärkte Mittelbereitstellung für Ausstellungen, Museumspädagogik und 

  Öffentlichkeitsarbeit

- Kontinuierliche finanzielle Absicherung von Grundfunktionen des Museums, wie 

  Sammeln, Bewahren, Inventarisieren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln.

Die Einnahmesituation der Einrichtung ist zu verbessern, kann aber die Finanzausstattung des Museums nicht wesentlich verändern. Ein größeres  und/oder qualitativ hochwertiges Angebot, das die Besucherzahlen steigen lässt, erfordert wiederum gewisse finanzielle Mittel.

Ein Museum in der Komplexität seiner Aufgaben ist immer an einen Zuschuss von außen gebunden. Da das System von Spenden und Sponsoring in erforderlicher Größenordnung für das Kreismuseum nicht greift, wird es auch künftig, gleich welcher Rechtsform, Zuordnung und Struktur, an die öffentliche Hand gebunden sein.

 

3.10. Kooperationen und Partnerschaften 

Eine solide Basis für Innovation ist die feste Verankerung des Museums in der Region. Strategische Partner in den Bereichen Wirtschaft, Politik und Verwaltung tragen dabei genauso zum Erfolg des Museums bei, wie das Engagement der Geschichtsvereine, der Tourismusverbände oder der Heimatforscher.

Im Sinne der Öffnung nach außen ist das Museum ein Forum für Personen, Gruppen und Vereine, die mit einem eigenen Projekt an die Öffentlichkeit treten wollen, soweit dies den programmatischen Inhalten und Zielen des Museums entspricht, wie umgekehrt das Museum mit seiner fachlichen und museumspraktischen Erfahrung der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Davon ausgehend orientiert sich die Zusammenarbeit und Kooperation des Museums schwerpunktmäßig auf 

- Vereine

- Schulen 

- wissenschaftlichen Einrichtungen

- Heimatforscher

- Tourismusverbände.

Das Kreismuseum ist Mitglied im Sächsischen Museumsbund e.V. Seit Jahren pflegt die Museumsleitung einen engen Kontakt zur Sächsischen Landesstelle für Museumswesen, die das Museum nicht nur inhaltlich-fachlich, sondern auch finanziell unterstützt. Im Rahmen studentischer und schulischer Praktika arbeitet das Museum mit der HTWK in Leipzig aber auch mit anderen Universitäten und Schulen der Region zusammen. Ständige Kooperationen bestehen zwischen den Museen der Region aber auch darüber hinaus. Die Mitarbeit in der Sparte „Museen“ des Kulturraumes Leipziger Raum und im Vorstand des Sächsischen Museumsbundes hat sich dabei als gute Plattform des Erfahrungsaustausches bewährt.

Sonderausstellungen des Kreismuseums werden von anderen Museen nachgenutzt. Die für jede Ausstellung zu erarbeitenden Text/Bildtafeln sowie die Ausstellungskonzeptionen werden nach Beendigung der Präsentation im Haus an die privaten Leihgeber weitergereicht, so dass sie dort von anderen Museen angefordert werden können. Oft sind Ausstellungen der erste Baustein einer fruchtbaren Zusammenarbeit.

Am Museum ist der Förderverein „Freundeskreis des Museums Grimma e.V.“ tätig.

Der Museumsverein hat sich die satzungsmäßige Aufgabe gestellt, das Kreismuseum Grimma zu unterstützen und zu fördern, um das dort vorhandene Kulturgut zu bewahren, zu pflegen sowie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dies wird insbesondere durch die Zusammenarbeit mit dem Träger der Einrichtung, dem heutigen Landkreis Leipzig, realisiert. Mehrere Projekte konnten so im Interesse des Landkreises und für die Bevölkerung realisiert, umfangreiche Fördermittel akquiriert, der Wiederaufbau nach dem Hochwasser 2002 mit Finanz- und Sachmitteln sowie durch Arbeitsleistungen maßgeblich befördert, die Aufnahme und Katalogisierung des Museumsgutes unterstützt und dessen computermäßige Erfassung vorangetrieben werden.   

Es gilt Reserven zu erschließen, welche in der Möglichkeit der Vernetzung regionaler Kulturarbeit liegen. Dabei geht es um die optimale Nutzung der finanziellen Ressourcen in und um Grimma. D.h. keine Kultureinrichtung plant in Zukunft nur allein seine Veranstaltungen und Projekte, sondern in Absprache und Zusammenarbeit mit den anderen Einrichtungen. So werden nicht nur terminliche Überschneidungen vermieden, was oft der Grund für das Ausbleiben der erhofften Besucherfrequenz ist. Die gemeinsamen Beratungen bieten vor allem eine Chance, die Kräfte zu bündeln und die Kosten zu optimieren. Der Erwartungshaltung von verschiedenen Besuchergruppen kann damit auch besser entsprochen werden. Es kann in Zukunft nicht mehr das Ziel sein, viele kleine Veranstaltungen zur selben Zeit an verschiedenen Orten anzubieten und damit den Bürger, dem Gewirr der Angebotsüberfülle zu überlassen. Wir müssen vielmehr weniger, dafür besser organisierte, qualitätsvollere Veranstaltungen anbieten, wobei jede ihren eigenen Charakter, ihr eigenes Kolorit aufweist. Gute Beispiele sind hier die Liederflut oder die gemeinsame Museumsnacht in Grimma.

 

3.11. Ausstellungskonzeption des Kreismuseums Grimma

Für ein Museum ist es notwendig, eine profilierte, gut konzipierte längerfristige Ausstellung zu präsentieren, die didaktisch und pädagogisch nachvollziehbar ist. Dabei ist unbedingt Wert darauf zu legen, dass sich der Einzelbesucher in der Ausstellung zurechtfindet aber auch spezielle themenbezogene Führungen das Museum zu einem Erlebnis werden lassen. Es kann sich Museumspräsentation heute nicht mehr auf bloße Wissensvermittlung beschränken, sondern muss zu einem wirklichen Erlebnisbereich werden. Ein Museum "zum Anfassen", in dem die ausgestellten Maschinen und Geräte vorgeführt werden können und somit die einzelnen Arbeitsschrittefür den Besucher nachvollziehbar werden. Dies ist natürlich nur in eingeschränktem Umfang möglich, da sich aufgrund des Alters und  der Beschaffenheit nicht jede Musealie dazu eignet. Jedoch wird ein hoher Grad an Funktionstüchtigkeit angestrebt. Jede Reparatur und Restaurierung bedeutet eine Beeinträchtigung der historischen Substanz und es ist demzufolge vorher genau abzuwägen, welche Variante vertretbar ist. Die Bewahrungsfunktion sollte auch hierbei als die wichtigste Funktion des Museums gewertet werden. So sind wir auch bestrebt, einen hohen Grad an Originalität in der Objektwahl der Ausstellung zu erreichen, jedoch kann auf Nachbildungen, Kopien und Modelle nicht verzichtet werden. In dieser Hinsicht muss vor allem angestrebt werden, wichtige historische Urkunden, Dokumente, Briefe etc. auf längere Sicht durch gute Kopien zu ersetzen, da sie unter der Einwirkung des Tages und Kunstlichtes auf längere Zeit stark beeinträchtigt werden. Seit der Gründung des Geschichts und Altertumsvereins am 10. Oktober 1901 hat das Museum seine Bestände beträchtlich vergrößert. Wurde früher in Form einer Schausammlung alles gezeigt, was dem Verein gehörte, so ist dies längst nicht mehr möglich. Schon 1926 war der Bestand sehr breit gefächert und reichte von einer großen Ur und Frühgeschichtssammlung über Kirchenplastik, Stadtansichten, Kunsthandwerk, Bibliothek, Handwerk bis zum Stickmustertuch. 

Wir stehen heute vor dem Problem der Auswahl zwischen all den musealen Sachzeugen. Auswahl bedeutet hier die Konzentration auf das Prägende, das Typische, d.h. das Aussagekräftigste. Dabei muss auf Vollständigkeit verzichtet werden. 

So gab es z.B. in Grimma seit dem Mittelalter drei wichtige Innungen, die in der Ausstellung nicht thematisiert sind. Es handelt sich hierbei um die Schuhmacher-, Bäcker- und Fleischerinnung. Hier trifft zu, was wir bereits anfangs erwähnten. Wir möchten mit unserer Ausstellung auch eine Profilierung der Museen im Kreis erreichen und Wiederholungen vermeiden. Daher sind diese Innungen in der Ausstellung nicht vertreten.

Das Schuhmacherhandwerk wird auf der Burg Mildenstein umfassend dargestellt und das Bäckerhandwerk in der Wassermühle Höfgen präsentiert.

Da wir selbst einen großen Bestand an Schuhmacherwerkzeug besitzen, kann dies Thema einmal in Form einer Sonderausstellung behandelt werden.

Auch das Thema Göschen mit seinem berühmten Lektor Seume behandelt das Museum nicht, da dies ausführlich im Museum „Göschenhaus“ dargestellt wird. 

Die Ausstellung weist das Prinzip des Baukastens auf, d.h. dass sie durch ausgewählte thematische Sonderausstellungen komplettiert wird. Für Sonderausstellungen wurde der große Raum (seit der Generalsanierung ohne Säulen) im Erdgeschoss des Museums eingerichtet. Hier kann man Themen der Stadtgeschichte vertiefend, in Ergänzung an die Dauerausstellung, präsentieren. So bleibt auch das Museum für den Bürger der Stadt Grimma bzw. des Kreises attraktiv.

Die Dauerausstellung des Museums baut sich wie folgt auf:

Eingangsbereich/Windfang 0.01 „Augustinerkloster“

Gestalterisch wurde der Eingangsbereich 2007 vom Ausstellungsdesigner Matthias Runge überarbeitet. Dafür beantrage das Museum Fördermittel bei der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen.

Im Flur des Erdgeschosses wird die Geschichte des Augustinerklosters behandelt. Dies ist nirgends anders möglich, da die ausgestellten Exponate z.T. sehr groß und schwer sind. Hierbei handelt es sich um die vor einigen Jahren in der Klosterkirche gefundenen Grabplatten, eine gotische und die Platte des letzten Ritters von Grimma Georg Lüder sowie eine große Holzsäule mit Schnitzereien der Landesschüler. 

Klöster hatten eine wichtige Funktion in der feudalen Gesellschaft. Sie waren Stätten der Bildung, Kunstpflege, Armenpflege und oft auch landwirtschaftliche Musteranstalten. So erhielten auch die Augustiner Grundbesitz in unserem Territorium. Der Mönchsorden trieb Handel in der Stadt, was heute noch der Name "Der alte Jahrmarkt" in der PaulGerhardt-Straße bezeugt. Sie besaßen bestimmte Rechte und Privilegien in der Stadt. Die Augustinermönche kamen 1287 aus Gotha, wo sie 1258 eine Niederlassung gegründet hatten, in unsere Stadt und trafen mit Genehmigung des Markgrafen Friedrich und des Bischofs von Merseburg Anstalten zur Gründung eines Klosters. Sie erkauften sich von dem Kloster Alt Zelle den Raum, auf welchem sie ihr Kloster anlegten. Der Kaufvertrag wurde 1290 abgeschlossen. Die Klosterkirche bestimmt noch heute maßgeblich die Stadtsilhouette Grimmas. 1550 erhielt das Kloster eine andere Nutzung. Hier wurde die dritte der sächsischen Landesschulen durch Moritz von Sachsen eingerichtet. 

Die Variante, die Klostergeschichte im Flur des Erdgeschosses darzustellen ist durchaus vertretbar, da sich hieran im Erdgeschoßraum rechts die mittelalterliche Stadtentwicklung anschließt, wo dieses Thema noch einmal aufgegriffen wird und sich somit in den Rundgang einpasst. 

Raum 0.03 „Stadtentstehung bis zur Reformation“

Die Ausstellungsgestaltung übernahm Matthias Runge im Jahr 2005. Für die Umsetzung der Präsentation standen Fördermittel vom Bund und Land zur Verfügung.

Ein Schwerpunktthema im ersten Ausstellungsraum ist die Entstehung der Stadt Grimma: die erste Erwähnung des markgräflichen Schlosses im Ort Grym; die Erwähnung des Stadtrechts, der Bau der Stadtmauer, der Frauenkirche, die Stadterweiterung, die Gründung des Rates mit Bau des Rathauses und die wirtschaftliche Blüte der Stadt, nicht zuletzt bedingt durch den Muldenübergang. Zu dieser Ausstellung sind Stadtmodelle unverzichtbar. Gezeigt werden Stadtinsignien, Ratstruhe, Stadtansichten. Über die Rolle und Bedeutung der mittelalterlichen Kirche geben ausgewählte sakrale Gegenstände Auskunft. Der Muldenübergang ist für die Entstehung der Stadt besonders wichtig, da Wurzen dem Bistum Meißen und Nerchau dem Erzbischof von Magdeburg gehörte. Aus politischen und wirtschaftlichen Gründen musste die Verbindung zwischen den beiden Landesteilen des Markgrafen ganz in einer Hand liegen. Am Muldenübergang entstand eine neue Marktsiedlung: Grimma. 1292 wird erstmals eine hölzerne Muldenbrücke erwähnt, die zu einer wichtigen Einnahme für die Stadt wurde. Von dieser Jochbrücke besitzt das Museum ein Modell, welches ebenfalls in diesem Raum gezeigt wird.

Ein zweiter Schwerpunkt stellt die Geschichte des Klosters Nimbschen mit seiner berühmten Nonne Katharina von Bora dar. Heinrich der Erlauchte ließ zu Ehren seiner Tante Elisabeth von Thüringen in Grimma ein Hospital bauen auf dem Platz des heutigen Superintendenturgartens. 1250 schenkte er es den Zisterzienserinnen zu Torgau, die noch im selben Jahr ihren Sitz nach Grimma verlegten. In den 1270er Jahren erwarben sie Land in der Muldenaue und übersiedelten nach Nimbschen, wo sie ihr Kloster erbauten. Überregionale Bedeutung bekam das Kloster durch die Nonne Katharina von Bora. Unter Einfluss der reformatorischen Lehre Luthers floh sie 1523 mit acht weiteren Nonnen aus dem Kloster und heiratete zwei Jahre später den Reformator Martin Luther.

Raum 1.09 „städtisches Wohnmilieu“

Betritt man den Raum in der 1. Etage links, stößt man auf einen Einbau von 1904 des Geschichts und Altertumsvereins. Um bäuerliche Lebensweise im Museum zu präsentieren, ließ Prof. Liedloff hier ein Fachwerkhaus mit Holzschindeln einbauen. Die kleinen Scheiben- sowie die Bleiglasfenster mit den Butzenscheiben stammen aus dem 18. Jahrhundert. Der Napfkachelofen aus der Bautzener Gegend wurde vor einigen Jahren entfernt. Wir achten diesen Raum als wichtiges Stück Museumsgeschichte.

Er zeigt sehr anschaulich, welche Auffassung man in der Vergangenheit vom Museum hatte. Deshalb möchten wir diesen Einbau auch so erhalten. Vor einigen Jahren wurden hier einige Veränderungen  vorgenommen. In der Brückenstraße 13 fand Herr Unteidig, Mitarbeiter des Kreismuseums, beim Abriss des Hauses eine eingebaute Blockstube von 1674 sowie die Reste einer schwarzen Küche. Um diese Dinge zu erhalten, beschlossen wir beides auszubauen und nach einer sachgemäßen konservatorischen Behandlung im Museum in diese Bauernstube einzugliedern. Damit verlor der Raum den Charakter der bäuerlichen Wohnung und wird heute als städtisches Wohnmilieu am Ende des 18. Jh. erlebt. Für uns ist heute kaum mehr vorstellbar, dass diese Art des Kochens mit offenem Feuer auch in der Stadt bis Anfang des 19. Jahrhunderts typisch war. Tönernes und kupfernes Kochgeschirr, Vorratsgefäße, Geräte zum Feuermachen ermöglichen dem Besucher, diesen Arbeitsprozess als ein Stück Arbeits und Lebensweise nachzuvollziehen. Weiterhin erfuhr der Raum durch den Einbau eines spätbarocken Ofens aus Mutzschen von 1775 eine besondere Aufwertung. Dieser Ofen ist alter Museumsbestand und lagerte im Magazin. Er war stark beschädigt und musste restauriert werden.  Der Raum wird im städtischen Wohnmilieu komplettiert. Dieser Eindruck soll durch einen Eichentisch,  einen Schrank aus der ehemaligen Seilerei sowie Porträts Grimmaer Bürger verstärkt werden. In der rechten Ecke ist ein kleiner Hausaltar aus dem Jahre 1631 untergebracht. Dieser Raum besitzt insgesamt den Charakter eines wohlhabenden Städtebürgertums. 

Flur 1.10 „Zimmermannshandwerk“

Dieser Raum wurde, genau wie der anschließenden Räume „Töpferei“ und „städtisches Handwerk“, 1993 von Andreas Wachter gestaltet. Nach der Generalsanierung haben die Museumsmitarbeiter diese Ausstellungsräume wieder so eingerichtet. Ein Umbau steht hier in den nächsten Jahren aus. 

Im schmalen Gang präsentiert sich der Fachwerkaufbau des Hauses Brückenstraße 13. Die Fachwerkbauweise war für Grimma und überhaupt für unsere Gegend typisch. Nur ist das Fachwerk heute häufig überputzt. Im Zusammenhang damit bot es sich an, in den Gefachen das Zimmermannshandwerk darzustellen. Komplettiert wird die Darstellung dieses Handwerks mit dem entsprechenden Werkzeug.  

Raum 1.08 „Töpferei“

Der kleine Raum am Ende des Fachwerkganges ist geprägt durch die Außenfassade des historischen Einbaus. Dadurch ist die Nutzung des Raumes eingeschränkt. Als günstig erwies sich an dieser Stelle das Thema Töpferei darzustellen. Die Töpfer verkauften ihre Ware auf dem Wochen- und Jahrmarkt der Stadt. Damit gliedert sich die Fachwerkfassade gut in das Thema ein. Als der letzte Ofenbauer in Grimma, Ernst Schubert, seine Werkstatt schloss, wurde der Nachlass von dessen Sohn bis in die 60er Jahre unseres Jahrhunderts bewahrt. Das Museum übernahm dann einen großen Teil seiner Kachelmodeln und andere Gerätschaften. Diese Sammlung wird hier präsentiert. 

Die Töpfer hatten ihre Werkstätten am Rande der Stadt an der Stadtmauer errichtet. Jüngste Ausgrabungen brachten hier aus den Grundstücken Töpferstraße 10 und 12 sowie Mühlstraße 7 wertvolle Funde zutage. Die ergrabenen Teller und Gefäße aus der Töpferstraße sind nicht nur eine wertvolle Bereicherung für das Museum sondern auch für die Stadtgeschichtsforschung. So konnte mit den Funden nachgewiesen werden, dass die Grimmaer bevorzugt hochwertige, qualitätvolle Waren aus Hohenleischen auf dem Grimmaer Jahrmarkt erwarben. Es handelt sich hierbei um Funde aus dem 17./18. Jahrhundert. In der Mühlstraße 7 wurden 1992 eine große Anzahl (ca. 150 Stück) Ofenkachelmodeln ergraben. Dieser Fund ist durch seine Komplexität von außerordentlicher Bedeutung. Die Model stammen aus dem 16. bis 18. Jh. 

Die Präsentation trägt durch die Aufstellung einer Töpferdrehscheibe im Fußbetrieb aus dem 19. Jahrhundert und einer Glasurmühle aus derselben Zeit z.T. Werkstattcharakter. Weiterhin wird in diesem Raum die Grimmaer Tonpfeifenfabrikation vorgestellt. Diese gewann zwischen 1740 und 1840 überregionale Bedeutung mit dem Export bis nach Holland und Belgien. Aufgrund des lückenhaften Materials waren umfangreiche archivarische Forschungen notwendig, um eine fundierte Präsentation zu erreichen. Bei den verschiedenen Ausgrabungen in der Stadt wurden auch immer wieder Tonpfeifen mit zutage gefördert, so dass das Museum heute eine anschauliche Sammlung besitzt.

 

Raum 1.07 „städtisches Handwerk“

Es schließt sich ein großer Raum an, in dem verschiedene wichtige Handwerke der Stadt gezeigt werden. Stadtgeschichte ist nicht losgelöst von ihrem Handwerk zu betrachten. Deshalb haben wir über das Handwerk die Entwicklung der Stadt vom 17. bis 19. Jahrhundert dargestellt.

Zur Auswahl der Handwerke in diesem Raum sei noch gesagt, dass man immer nur solche vorstellen kann, die sich auch durch Musealien belegen lassen. Ein Museum lebt von seinen Originalen. 

Vor Jahren favorisierten wir eine Präsentation ohne Haupttexte. Informationen wurden und werden z.Z. noch den Besuchern mittels Handzetteln vermittelt, die auch preiswert zu erwerben sind. Dieses Ausstellungssystem hat sich nicht bewährt. Unsere Besucher greifen nur selten zu diesen Texten. Hier möchten wir das Ausstellungssystem der Mittelalterausstellung weiterführen. D.h. es soll verschiedene Haupttexte zu den einzelnen Handwerken geben, die sich in Form und Schrifttyp an die Textgestaltung der Mittelalterausstellung anlehnen. Für die Präsentation des Handwerks muss eine neue Ausstellungskonzeption erarbeitet werden. Zusätzlich soll hier das Thema Buchdruck eingearbeitet werden. 

Der Grimmaer Buchdruck beginnt im 16. Jh. Unser Museum besitzt eine Flugschrift von Martin Luther, welche 1523 hier in Grimma gedruckt worden sein soll. Die Kniehebelpresse aus der ehemaligen Göschendruckerei ist voll funktionsfähig und kann in die  Projektarbeit der Museumspädagogik einbezogen werden. Das gleiche gilt für die Geräte der Seilerei und den Webstuhl.

Das bedeutendste Handwerk in Grimma war das der Tuchmacher. Um 1700 gab es ca. 100 und 1764 schon 140 Tuchmacher in der Stadt. Heute zeugen noch die Tuchmachergasse und das Innungshaus von dieser großen Zunft. Erstmalig erwähnt wurde sie bereits 1416 im Stadtbuch und ist damit auch eine der ältesten Innungen der Stadt. 

Die älteste Innung Grimmas, die der Leineweber, wird in diesem Komplex mit angesprochen, da sie artverwandt ist. Zentrales Ausstellungsexponat ist hier der Webstuhl des letzten Grimmaer Leinewebers. Die Weber und Tuchmacher existierten auch nicht allein und unabhängig von anderen Handwerken. Bevor ein Tuch zum Verkauf angeboten werden konnte, waren viele Arbeitsgänge und Gewerke notwendig. Es beginnt beim Schafe haltenden Ackerbürger der Stadt. Benötigt wurden ein Schafscherer, Spinner für die Wolle, Garnbleicher, Tuchscherer, Walkmüller, Schwarz- und Schönfärber. Diese Handwerker waren selbstverständlich auch in Grimma vertreten und sind in der Ausstellung mit einigen Musealien präsent.

Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts waren in Grimma neben den Strumpfstrickern auch die ersten Strumpfwirker ansässig. Sie benötigten einen Strumpfwirkerstuhl. Dieses Handwerk kam Ende des 17. Jahrhunderts mit den aus Frankreich ausgewiesenen Hugenotten nach Deutschland. In Sachsen erlebte es im 18. Jahrhundert eine rasche Blüte.

In Grimma wurde die Strumpfwirkerei durch Christian Kratz Mitte des 18. Jahrhunderts eingeführt. Er eröffnete am Markt sein Geschäft und ließ auf sechs Stühlen arbeiten. Um 1800 kamen drei weitere Meister dazu. Die Grimmaer Strumpfwirker arbeiteten für den heimischen Markt. Ihre Waren wurden in Grimma und den umliegenden Dörfern verkauft. Auch hierzu wurde das im Archiv vorhandene Material zusammengetragen. Das Museum besitzt einen Strumpfwirkerstuhl aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Er ist sehr prächtig gearbeitet und zeugt nicht zuletzt vom Wohlstand dieses Handwerks. 

Ein weiteres Handwerk, das wir vorstellen, ist die Seilerei. In Grimma arbeiteten um 1700 sieben Seilermeister. Fast kein Stand konnte auf die Arbeit des Seilers verzichten. In jedem Haus waren seine Produkte anzutreffen. Seile wurden benötigt im Bauwesen, in der Landwirtschaft, im Haushalt, zum Vertäuen der Schiffsmühlen, für den Flaschenzug der Tuchmacher am Rathaus. Der letzte Seiler arbeitete in Grimma in den 60er Jahren in der Brückenstraße 13. Die Maschinen und Geräte kamen nach der Schließung der Werkstatt ins Museum.

Ein anderes Handwerk ist unbedingt erwähnenswert, weil es über längere Zeit das einzige seiner Art in Deutschland war – die Weber’sche Klistierspritzenfabrikation. Gottlob Carl Israel Weber, Sohn eines Kupferschmiedes, hatte in Leipzig bei einem Zinngießer gelernt und ließ sich 1782 in Grimma nieder. Ab 1800 besaß er ein mitteleuropäisches Monopol für zinnerne Klistierspritzen. Er fertigte seine Formen und Maschinen dafür selbst und blieb in punkto Klistierspritzenfertigung fast 40 Jahre ohne Konkurrenz. Weber stellte auch die Tabakpfeifenformen für die Grimmaer Pfeifenmacher her.

Neben Israel Weber gab es in Grimma weitere Zinngießer. In einer Vitrine werden Geschirrteile, vor allem auch Zunftgeschirr einheimischer Zinngießer gezeigt. 

Raum 1.06 „Wohnmilieu: Biedermeier“

Der anschließende kleine Raum ist dem Wohnmilieu des reichen Bürgertums nach 1800 gewidmet. Das Biedermeier als Ausdruck des ersten eigenen bürgerlichen Wohnstils  einfach, gediegen, zweckmäßig  zeigt unter anderem auch die Emanzipation gegenüber dem Adel. Es ist die Epoche des Spiels, der Freude, der Geselligkeit und die große Zeit der Vereine. Für Deutschland ist es die Zeit der industriellen Revolution. Dieser wichtige Zeitabschnitt wird durch das Biedermeierzimmer präsentiert. Gleichzeitig wird es genutzt, um in bescheidenem Rahmen Kunsthandwerk auszustellen. In einem Eckschrank wird Meißner Porzellan gezeigt und in einem klassizistischen Glasschrank geschnittenes Glas vom Barock bis zum Biedermeier. Ergänzt wird das Mobiliar durch einen Ofen aus den 1860er Jahren. Er ist ebenfalls alter Museumsbestand und befand sich in schlechtem Zustand. Nach einer gründlichen Reinigung und Restaurierung bildet er heute die Zierde des Raumes. Handelt es sich in der ehemaligen Bauernstube um einen Kachelofen, so ist es hier ein Überschlagofen, was nicht zuletzt auch die unterschiedlichen Techniken des Ofenbaus demonstriert und in Bezug auf die Töpferwerkstatt eine wichtige Ergänzung bildet. 

Flurvitrine „Husaren“

Noch in diesem Jahr gestaltet Matthias Runge diese Vitrine neu. Die nötigen Fördermittel wurden im April von der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen bewilligt.

Im Flur in der großen Einbauvitrine ist eine Präsentation über das 2. Königlich- Sächsische Husaren Regiment Nr. 19 vorgesehen. Am 30. Juli 1791 befahl Friedrich August von Sachsen die Errichtung dieses Regimentes. 1819 hielten die Husaren in Grimma Einzug. Die Stadt wurde geprägt durch diese Garnison. Die Husaren wohnten mit ihren Pferden in den Bürgerhäusern. Am Ende des 19. Jh. entstanden vor den Toren der Stadt Kasernen und Ställe für die Pferde. Längst sind die Scheunen und Pferdeställe in Grimma verschwunden und an die Garnison erinnern nur das Mahnmal der im 1. Weltkrieg gefallenen Husaren in der Leipziger Straße sowie die ehemaligen Kasernen, die heute z.T. einer anderen Nutzung zugeführt sind.

Leider haben wir einen großen Teil der besten Stücke unserer Sammlung bei einer Sonderausstellung anlässlich der Wiederaufstellung des Husarendenkmals 1990 durch Diebstahl eingebüßt. In den letzten Jahren konnten wir aber wieder einige Stücke erwerben. So soll in der Vitrine eine restaurierte Offiziersuniform mit Mütze, Säbel, Fahne, Stiefel und Sporen präsentiert werden. Für die Traditionspflege stehen stellvertretend ein Reservistenkrug, eine Tasse und eine Pfeife. Vor zwei Jahren erhielt das Museum zwei wertvolle Bronzeplastiken mit Grimmaer Husaren geschenkt. Diese sollen ebenfalls in der Vitrine ihren Platz finden. 

Der Rundgang setzt sich fort auf der rechten Seite der 1. Etage. 

Raum 1.01 und 1.02 „Fürsten- und Landesschule zu Grimma“

Diese Ausstellung wurde im Jahr 2006 von Matthias Runge gestaltet. Die entsprechenden Fördermittel kamen von der SLFM.

Man betritt zunächst einen schmalen Gang. Hier wird in das Thema „Die Fürsten- und Landesschule zu Grimma“ eingeführt. Sie gehörte neben denen in Meißen und Schulpforte zu den bedeutendsten evangelischen Bildungseinrichtungen in Deutschland. Der Herzog und spätere Kurfürst Moritz von Sachsen richtete diese als fürstliche Schulen ein. Erstmalig übernahm damit der Landesherr die Verwaltung und die Aufsicht über höhere Schulen. Ein Novum für die Zeit. 

Bereits Ende des 16. Jahrhunderts hatten sich die Fürsten- und Landesschulen zu Grimma, Meißen und Schulpforte zu den bedeutendsten evangelischen Bildungseinrichtungen in Deutschland entwickelt. 

Mit der »Neuen Landesordnung« war auch ein Unterstützungssystem für die Fürstenschüler geschaffen worden. Die Mehrzahl der Alumnatsplätze wurde den Schülern als »Freistellen« zur Verfügung gestellt. Diese konnten von verschiedenen Städten des Landes, ausgewählten adeligen Familien und vom Landesherrn selbst verliehen werden. An den Fürstenschulen wurden nur die Mittel- und Oberklassen Untertertia bis Oberprima (Klasse 8 bis 13) unterrichtet. Sie schöpften damit die Leistungsträger der Unterklassen der städtischen Progymnasien und anderer höherer Schulen ab. Mit diesem System wurden nicht nur die Aufnahme und die Ausbildung der Schüler von den finanziellen Verhältnissen der Eltern weitgehend unabhängig gemacht, sondern auch die Idee der Auslese- und Leistungsschule in Sachsen etabliert.

Seit ihrer Gründung war es das Ziel der Fürsten- und Landesschulen, die schulischen Bildungsfundamente sowohl für spätere Theologen als auch für Verwaltungsbeamte und Lehrer zu legen. Selbständiges und kontinuierliches Lernen, häufige Leistungskontrollen sowie größere Prüfungen zu Ostern und Michaelis prägten den Schulalltag. Dabei war die Ausbildung an den Fürstenschulen sowohl auf Wissensvermittlung als auch auf gesellschaftsfähige Persönlichkeitserziehung gerichtet. Man war davon überzeugt, dass so, wie der Bildungsgrad der zukünftigen Pfarrer über den Bestand der neuen evangelischen Landeskirche entschied, die gezielte Ausbildung von Lehrern und Staatsbeamten den Ausbau der Landesherrschaft und des frühneuzeitlichen Staates befördern musste. 

Die Fürsten und Landesschule zu Grimma hat für die Geschichte der Stadt eine große Bedeutung gehabt.  

Der kleine Ausstellungsraum zeigt Fotos aus dem 20. Jh. Auftakt der Ausstellung bildet die Daktyliothek, eine Schenkung des Landesherrn Kurfürst Friedrich August III. an die Schule. Damit wird schon im Eingangsbereich auf die starke Bindung der Schule an den Landesherrn verwiesen. 

Der größere Ausstellungsraum ist in sechs Themen wie Geschichte, Aufnahme an der Schule, Unterrichtsalltag, Alumnat, Sammlungen und Schulabschluss gegliedert. Zu den einzelnen Themenbereichen werden entsprechende aussagekräftige Objekte gezeigt. Da das Museum selbst vorrangig nur Bücher, Grafik und Archivalien besitzt, haben wir hier eng mit dem Archiv der Schule zusammengearbeitet. Ein Dauerleihvertrag wurde für 10 Jahre mit der Möglichkeit der Verlängerung abgeschlossen. 

Raum 1.03 „Scherzartikelfabrikation“

Diese kleine Präsentation wurde 2007 von Matthias Runge mit Unterstützung der SLFM überarbeitet.

Im Durchgang hinter der Schulausstellung befindet sich ein in sich abgeschlossener Raum. Hier ist die Fabrikation der Erzeugnisgruppe Fest und Scherzartikel in Grimma ausgestellt. Diese Fabrik entstand um die Jahrhundertwende und bot vor allem den Frauen des Kreises die Möglichkeit der Heimarbeit. Die Arbeit war nicht besonders schwer, musste aber schnell vonstatten gehen, um die Tagesnorm zu schaffen. 1945 war der Betrieb in Volkseigentum übergegangen und existierte bis Oktober 1991. Er produzierte Scherzartikel, Lampions und Schultüten für das In und Ausland und war auf dem Gebiet der ehemaligen DDR einzigartig. Nach der Schließung des Betriebes übernahm das Kreismuseum die letzten Reste des einstigen Musterzimmers mit Erzeugnissen aus den 30er Jahren. 

Raum 1.04 „Handschuhfabrikation“

Diese Präsentation konnte im Jahr 2008 mit Hilfe der SLFM eingerichtet werden. Die Gestaltung übernahm Matthias Runge.

In dem sich anschließenden, wiederum sehr kleinen Raum wird das Thema „Handschuhfabrik Händel“ aufgegriffen. 

Die Geschichte der Lederhandschuhherstellung in Grimma begann Ende des 19. Jh.  Die Brüder August Moritz und Paul Händel kauften 1890 das an der Mulde gelegene Fabrikgrundstück. Händel richtete neben der Lederfärberei noch eine Gerberei in der neuen Fabrik ein, um so den gesamten Produktionsprozess vom Rohfell bis zum Handschuh zu vereinigen. 

Auf der australischen Weltausstellung 1879 in Sydney prämierte man die Qualität der Händelschen Lederhandschuhe mit einer Goldmedaille. Seither bestanden Geschäftsverbindungen ins europäische Ausland und nach Übersee. 

Seit 1945 bestand die Firma als Privatbetrieb unter nun sozialistischen Verhältnissen weiter. Um dringend notwendige Investitionen durchführen zu können, musste 1959 der Antrag auf staatliche Beteiligung gestellt werden. Ab 1976 wurde die Lederherstellung und 1982 die Nappahandschuhproduktion eingestellt. Ab 1983 produzierte man ausschließlich Arbeitshandschuhe.

Nach der Wende zeigte sich jedoch, dass diese einseitig ausgerichtete Massenproduktion in der Marktwirtschaft nicht bestehen kann. Die Lederhandschuh GmbH Grimma wurde 1991 zur Liquidation freigegeben.  Der ehemalige Leiter Günter Köhler bewahrte einige Arbeitsgeräte und eine kleine Musterkollektion über die Jahre auf und stellt sie dem Museum seit 2007 für 15 Jahre zur Verfügung. 

Raum 1.05 „Brillenetuifabrikation“

Diese Ausstellung wurde 2009 von Matthias Runge gestaltet. Die erforderlichen Fördermittel gab die SLFM.

Der Rundgang im Museum endet in einem ca. 20 qm großen Raum. In diesem letzten Ausstellungsraum präsentiert das Museum die Geschichte der Grimmaer Etuifabrik Reinhold Kühn. 

Die Etuifabrik wurde im Jahre 1910 im Gebäude der ehemaligen Knabenschule von Reinhold Kühn eingerichtet. Es war der einzige Betrieb dieser Branche in der DDR, der Metallbügeletuis und Aluminiumfutterale, mit Leder oder Kunstleder bezogen, herstellte. Die Etuis wurden nach Holland, Bulgarien, Ungarn, Polen und Rumänien exportiert. Es handelte sich bei den Produkten um hochwertige Handarbeit, die auch nach der Wende 1989 ihre Liebhaber fand. Elton John, Madonna und die sächsische Landesarchäologin Judit Oexle ließen sich in der Fabrik Brillenetuis anfertigen. Leider musste auch dieser Betrieb im Jahre 2004 Insolvenz anmelden.

Die Schicksale der Scherzartikel-, der Handschuh- und der Etuifabrik sind typisch für die Grimmaer Kleinbetriebe nach der Wende. Die Arbeit dieser Betriebe soll in der musealen Ausstellung im Kreismuseum gewürdigt werden, zumal diese Themen in keinem anderen sächsischen Museum aufgegriffen werden und damit ein Alleinstellungsmerkmal für unser Museum aufweisen.  

Raum 0.05 „Sonderausstellungen“

Der zweite Raum im Erdgeschoss ist den Sonderausstellungen vorbehalten. Vor rund 15 Jahren erhielt dieser Raum eine Betondecke, wobei die beiden Mittelsäulen entfernt wurden. Damit bietet der Raum gute Voraussetzungen für ständig wechselnde Ausstellungen. Ausgestattet ist der Raum mit Hoch- und Tischvitrinen der Firma Reier. Die Beleuchtung der Vitrinen kann über das Lichtschienensystem und Steckdose erfolgen. Damit wird eine große Flexibilität in der Aufstellung erreicht. Weiterhin wurde ein Stellwandsystem für diesen Raum angeschafft. Die für verschiedene Ausstellungsthemen erforderlichen Raumgefüge können damit schnell und leicht verändert werden.

 

4. Analyse des Umfeldes

4.1. Rolle und Stellung des Museums in der Kulturlandschaft

Glaubt man den Prognosen mancher Futurologen entwickeln sich die Menschen Mitteleuropas immer mehr zu einer Freizeitgesellschaft. Freizeit bedeutet dabei nicht nur das Ausruhen vom Arbeitsleben sondern auch eine anregende, sinnvolle Tätigkeit und eine selbst erwählte, Freude und Genugtuung bereitende Beschäftigung, wozu in zunehmendem Maße Fragen der Kultur und der Geschichte sowie der natürlichen Umwelt gehören. Museen sind ein wesentlicher Teil der Kultur, in welchen wir Menschen jeglichen Alters und verschiedener sozialer Schichten als Besucher verzeichnen. Museen sind nicht mehr nur Sammler, Bewahrer und Konservatoren originaler Kunstwerke, sondern kreativkommunikative Lernorte im Freizeitbereich. Kultur ist heute nicht nur ein wichtiger Faktor für den Tourismus, sondern auch für die Wirtschaft. So ist das Ruhrgebiet ohne den "Wirtschaftsfaktor Kultur" nicht denkbar. Die urbane Attraktivität wurde durch Kultur gesteigert. Museen sind aber auch eine unverzichtbare Säule für den Tourismus als Wirtschaftsfaktor. Wenn man in Grimma von Tourismus spricht, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass es sich vorwiegend um Tagestouristen handelt. Kurzreisen und Städtetourismus aber bergen wichtige BesucherRessourcen für die Zukunft.

Was macht die Stadt Grimma für den Tourismus attraktiv? 

1. Ihre reizvolle Lage an der Mulde  

2. der komplexe Altstadtkern mit seinen schönen Bürgerhäusern  

3. ihre kulturhistorisch bedeutenden Gebäude und Kunstwerke 

4. ihre kulturellen Einrichtungen wie Göschenhaus, Galerie und Kreismuseum 

5. gemütliche Hotels und Restaurants 

6. eine funktionierende Einkaufspassage mit Cafes und Ruhezonen.

Sieht man diese Dinge nicht als Einheit, wird der Tourismus als Wirtschaftsfaktor in der Zukunft keine Rolle spielen. Gefragt sind daher städtebauliche Programme mit entsprechenden denkmalpflegerischen Zielsetzungen und neue Tourismuskonzepte, in welchen alle Kulturträger, Handel- und Gewerbetreibende mit den kommunalen Entscheidungsträgem zusammenarbeiten müssen. Das Ziel sind kooperative Projekte mit anderen Kultureinrichtungen, Vereinen sowie der Verwaltung, wodurch die Kosten geteilt und damit zusätzliche Synergieeffekte erzielt werden können. So geht man in den alten Bundesländern schon seit langem zu Vernetzungen in der Kultur und Kunstszene über. Veranstaltungen und Projekte werden gemeinsam geplant. Seit einigen Jahren erfolgt in Grimma die Werbung in Form von Veranstaltungskalendern und Broschüren zentral, wodurch sich Bürger und Touristen einen schnellen Überblick über kulturelle und sportliche Angebote verschaffen können. Die Ausstellungen und Veranstaltungen des Kreismuseums werden im Kulturkalender der Stadt beworben.

Über das Stadtgebiet hinaus gibt es mit dem Kloster-Mühlental, den Sächsischen Burgen- und Heideland, dem Muldenradweg, dem Lutherweg sowie dem Wassertourismus weiter wichtige Vermarktungsstrategien, die auch das Kreismuseum für Touristen und die Bewohner des Muldentals attraktiv machen. Mit seiner direkten Lage an der Mulde bietet das Museum eine gute Ausgangslage für Fahrrad- und Wassertouristen. Aber auch für Geschichtsinteressierte, die sich auf den Spuren Martin Luthers und seiner Ehefrau Katharina von Bora befinden, ist das Museum mit seiner Dauerausstellung zum Kloster Nimbschen und Katharina von Bora ein wichtiger Anlaufpunkt. Die Präsentation informiert über das Klosterleben, die Geschichte sowie über den 14jährigen Aufenthalt Katharinas in Nimbschen.  

Die Museen des Kulturraumes 05 arbeiten bei Ausstellungsvorhaben seit sehr vielen Jahren mehr oder weniger eng zusammen. Ruhende Sammlungs und Magazinbestände wurden im Austausch mit anderen Museen aktiviert. Es könnte in Zukunft (was in Dänemark bereits realisiert worden ist) für solche Austauschmaßnahmen (auch kompletter Ausstellungen) ein MuseumsNetzwerk aufgebaut werden (was sicher eine lohnende Aufgabe für den Kulturraum wäre). Wichtige Ansätze dazu sind bereits mit dem HIDA Inventarisationsprogramm vorhanden. Auch museumspädagogische Projekte und andere kulturelle Veranstaltungen ließen sich kooperativ und somit finanziell günstiger planen und durchführen. Administrative Einschränkungen gilt es hier zu überwinden.

 

4.2. Einzugsgebiet der Besucher 

Der Besucherkreis setzt sich zusammen aus den Bürgern der Stadt und des Umlandes, aus Schulklassen und Kindereinrichtungen aus Grimma und dem Muldental. 

Grimma ist ein bedeutender Schulstandort. 

Schul- und Kindereinrichtungen mit schlechten Bahn- oder Busanbindung klagen darüber, dass sie das Museum nur mit einem großen finanziellen und zeitlichen Aufwand erreichen können. Manchmal beträgt das Eintrittsgeld zusammen mit einem museumspädagogischen Programm gerade mal ein Viertel der Gesamtkosten. Daher zählen diese schulischenEinrichtungen nur selten zum Besucherkreis.

Ca. ein Drittel der Besucher sind Touristen, die sich mit der Entstehung und dem Werden von Grimma auseinandersetzen möchten.

Die Stadtverwaltung ist bemüht, ihre Stadt zu einem Tourismusstandort auszubauen. Hier werden zur Zeit verschiedene neue Strukturen zusammen mit Wirtschaftsunternehmen, Kultureinrichtungen, Gewerbetreibenden erarbeitet. Grimma ist besonders durch das Hochwasser 2002 bekannt geworden und profitiert heute noch von diesem Bekanntheitsgrad. Die Einzelbesucher oder Gruppen kommen mit sehr unterschiedlichen Interessen ins Muldental. Hier gibt es vom sportlich motivierten Radfahrer, Wanderer oder Paddler über den historisch an Luther und Stadtgeschichte Interessierten bis hin zum Naturfreund und Geologen die unterschiedlichsten Interessenlagen. Oft wird das Museum als willkommene Pause genutzt, um sich mit der Stadt vertraut zu machen oder entsprechendes Informationsmaterial einzusehen bzw. mitzunehmen. 

Bis zum Jahr 2010 hatte die Stadt Grimma zusammen mit den eingemeindeten Dörfern 20 000 Einwohner. Mit der Gebietsreform im Jahr 2011 kamen die Stadt Nerchau und weitere Dörfer zu Grimma, so dass die Stadt heute 28 000 Einwohner zählt. Das heißt Grimma hat nicht nur an Fläche gewonnen sondern auch seine Einwohnerzahl erheblich vergrößert. 

Grimma hat keine größeren Industriebetriebe. Die Bevölkerung arbeitet im Handwerk und Handel, Dienstleistung oder als Angestellte. Ein nicht geringer Prozentsatz pendelt in die großen Städte wie Leipzig und Dresden. Aufgrund der relativ guten Arbeitssituation hält sich die Fluktuation in Grenzen (z.B. im Vergleich zu Sachsen Anhalt). 

 

5. Zusammenfassung 

5.1. Grundrichtung für die Museumsentwicklung  

Die neue Gesamtkonzeption für das Museum Grimma orientiert sich am Bildungszentrum. Ein fruchtbarer Ansatz ist, die musealen Aufgaben mit anderen fachlich verwandten, sozialen und kulturellen Aufgaben zu verknüpfen.

Für das Museum bieten sich vielfältige Aktivitäten an:

• Wissenschaftliche Forschung zu musealen Objekten, geschichtlichen und sozial -gesellschaftlichen Ereignissen 

• Oral history/ Zeitzeugen befragen wie z.B. Projekt „Flucht, Vertreibung, Integration“ 

• Tagungen/ Workshops, Vorträge

• Stadtführungen/ Exkursionen im Umfeld zu speziellen Themen 

• Populärwissenschaftliche Veröffentlichungen 

• Lehrplanbezogene museumspädagogische Angebote für Schulen

• Historische Beratung für Heimatforscher, Wissenschaftler, Schüler, Studenten

• Museale und ausstellungstechnische Beratung und Unterstützung von Veinen und        kleineren Museen ohne Fachpersonal

• Mitarbeit an der kulturpolitischen Planung, hier vor allem im Rahmen des Kulturraums

Ein „Haus der Geschichte“ muss bei seiner Kulturarbeit mit anderen Institutionen und Gruppen zusammenwirken, die für eine bestimmte Aufgabe über Kompetenz verfügen wie auch Interesse zeigen. Es soll die lokalen kulturellen Aktivitäten bereichern, indem es die historische Dimension professionell einbringt. Die Anforderungen an die Professionalität der Museumszunft wärendabei nicht geringer, sondern größer.

 

5.2. Was verstehen wir aber unter Professionalität?

1.die Begründung der Arbeit aus einer spezifischen, wissenschaftlichen Fachdisziplin 

2.die wissenschaftlich gesicherte Anleitung in der Berufspraxis durch spezifische Ausbildungs und Qualifikationsregeln 

3.spezifische berufsethische Regeln

4.das Bewusstsein öffentlicher, gesellschaftlicher Aufgaben und Verantwortung, die eine gewisse Eigenständigkeit oder Autonomie für den Berufsstand sichern 

5.eine effektive Interessenvertretung durch eigene Fach oder Berufsverbände 

6.die öffentliche Wertschätzung und Anerkennung durch angemessene finanzielle und arbeitsrechtliche Bedingungen. 

(Hannes Siegrist, Bürgerliche Berufe, Göttingen 1988) 

Auf diesen Merkmalen beruht auch das Berufsbild des Museologen. Der Fachverband ICOM erarbeitete erstmals konkrete konzeptionelle Vorstellungen zu Berufsbildern im Museumswesen, die auch den erwähnten „professionellen“ Ansprüchen entsprechen. Ohne das entsprechende Fachpersonal hört das Museum auf ein Museum zu sein. Es würde den Status einer „Aufbewahrungsanstalt“ annehmen. Die spezifischen Museumsfunktionen könnten nicht mehr erfüllt werden. Argumente gegen fachlich geschultes Personal sind heut in einer Zeit finanzieller Sparmaßnahmen immer wieder: früher seien die Museen auch nur durch ehrenamtlich arbeitende Vereinsmitglieder geleitet worden und: in den alten Bundesländern gibt es eine Reihe von Museen, die nur von Vereinen getragen werden. Bei Letzterem wird meist die Qualität und Vielfältigkeit des Aufgabengebietes eines Museums nicht hinterfragt. Das erste Argument rückt vor allem die Anfänge der musealen Arbeit in den Blickpunkt. Auch die Sammlung des Kreismuseums Grimma geht auf solch eine Vereinsarbeit zurück. Spätestens seit dem Jahr 1945 war diese, auf dem Ehrenamt beruhende Trägerschaft nicht mehr praktikabel, weshalb die Stadtverwaltung zur hauptamtlich geführten Museumsarbeit überging.

Für das Kreismuseum Grimma heißt Professionalität, auch die Arbeit im Bildungs- und Vermittlungsbereich deutlich zu verbessern. Dies kann nur durch einen zusätzlichen Mitarbeiter mit museumspädagogischer Ausbildung erreicht werden. Die Erfahrungen aus anderen Museen zeigen, dass die Besucherzahlen mit der Einstellung von Museumspädagogen stark gestiegen sind und sich auch der Besucherkreis erweitert hat. Das Museum ist nicht nur ein besonderer Erlebnisraum. Die vielfältigen museumspädagogischen Angebote bieten auch die Chance, das Museum als einen besonderen Ort der Wissensvermittlung zu verstehen und damit den Kindern und Jugendlichen den Zugang zur kulturellen Bildung zu ermöglichen. Natürlich kommt es hier nicht nur auf Wissensvermittlung an, sondern auch darauf, Interessen zu wecken und damit einen eigenen Erlebnisraum zu schaffen. Kinder und Jugendliche sollen es wieder lernen sich mit ihrer Heimatregion zu identifizieren.

Professionalität kann das Kreismuseum aber auch als Dienstleistung für kleinere museale Einrichtungen oder Heimatstuben bieten. In den 1950er bis 80er Jahren war genau dies eine Aufgabe der Kreis getragenen Museen. Diese Zusammenarbeit zwischen diesen Museen und den Heimatstuben hatte sich in der Praxis bewährt. Nach 1990 wurde diese bewährte Praxis allerdings im Zuge von Strukturbereinigungen aufgegeben. Viele Kreismuseen wurden in kommunale Trägerschaft überführt, dafür gründeten sich  Heimatstuben in vielen Dörfern, die nun ohne jede fachliche Betreuung blieben. Die kleinen Heimatstuben sind sehr wichtig für den Aufbau regionaler Sammlungen und für die kulturelle Identität der Bürger im Ort. Daher sollte ihre Arbeit durch mehr professionelles Know-how  gefördert werden.  

Weitere unter Punkt 2. Visionen gesteckte Ziele sind die Erschließung neuer Besuchergruppen sowie die stärkere Einbindung der Bevölkerung in die Museumsarbeit. Auch diese Ziele lassen sich nur mit einer Aufstockung des Museumspersonals erreichen. Hier sollte keine lang- oder mittelfristige Lösung angestrebt werden sondern ganz konkret eine zeitnahe Einstellung einer museologisch, museumspädagogisch ausgebildeten Fachkraft vorgenommen werden. Dazu muss der Stellenplan des Kreismuseums um eine Planstelle erhöht und die entsprechenden finanziellen Mittel in den Haushalt des Museums eingestellt werden.   

 

5.3. Neue Strukturformen

Das Kreismuseum Grimma wurde 1956 aus städtischer in kreisliche Trägerschaft überführt. Ausschlaggebend für diese Entscheidung waren der Charakter seiner Bestände und der museale wie denkmalpflegerische Aufgabenbereich in der Region. Letzteres Aufgabengebiet wurde im Jahre 1992 aus dem Museum aus und in die Verwaltungsstruktur des Landratsamtes eingegliedert. Die Ausstellung des Museums ist heute auf die Stadtgeschichte Grimmas ausgerichtet. Es hat einen unverwechselbaren, wertvollen Beitrag zur Stadtgeschichte in dem Verständnis zu leisten, dass das Wissen um die Stadthistorie identitätsstiftend wirkt und Heimatbewusstsein entwickelt. Mit seinen inhaltlichen und methodischen Schwerpunktsetzungen deckt es wesentliche im Einzugsgebiet präsente museal zu bearbeitende Felder ab. In diesem Sinn steht das Kreismuseum schwerpunktmäßig für die urban tradierten Werte.

Dieses Profil gilt es, insbesondere in der Außendarstellung, durch neue Formen der Vermittlung und nachhaltige Präsentationen deutlich zu machen. 

Das Kreismuseum ist als geistig-kulturelles Zentrum für und mit den Grimmaer Bürgern

im Rahmen seiner Möglichkeiten zu profilieren.

Das Kreismuseum ist ein Ort der Geschichtsforschung, Darstellung und Präsentation der Stadtgeschichte in Ausstellungen und in anderen Formen der Beschäftigung mit Geschichte und Kultur. Damit sind Grundrichtung und Zielorientierung für die Museumsentwicklung vorgezeichnet.

Das Museumsteam hat gemeinsam mit dem Träger Rat des Kreises, seit 1990 Landkreis Muldental, heute Leipziger Land viele Aufgaben gemeistert. Vor der Wende konnte neben der musealen Arbeit auch ein besonderer Beitrag zur Denkmalpflege im Kreisgebiet geleistet werden. Denkmale wurden inventarisiert, z.T. von den Museumsmitarbeitern restauratorisch betreut, Ausgrabungen in Kirchen und auf Feld, Stadt und Flur vorgenommen. Diese Arbeiten wurden nach 1990 dem Landratsamt zugeordnet. Anfang der 90er Jahre konnte das gesamte Museum umfänglich saniert und eine neue Dauerausstellung aufgebaut werden. Viele Objekte aus dem Bestand sind einer Restaurierung zugeführt worden, was vor der Wende wegen fehlender finanzieller Mittel nicht möglich war. Damit wurde ein wichtiger Beitrag zur Bestandserhaltung getan. Weiterhin konnten wichtige bestandserhaltende Maßnahmen an der Wassermühle in Höfgen vorgenommen werden. Nach dem Hochwasser 2002 erhielt das Museum das dringend benötigte Magazin für die Unterbringung der Ur- und Frühgeschichtesammlung, der Bibliothek und des Archivs sodass auch das Magazinproblem endlich gelöst werden konnte. Im Zuge dessen entstand gleichzeitig noch ein Raum für die Museumspädagogik. Mit anderen Worten: der Landkreis verfügt heute über ein funktionierendes Gebäude, das alle Anforderungen an ein modernes Museum erfüllt und über eine reichhaltige Sammlung historischer Sachzeugen. Mit dieser Erfolgsbilanz können wir einschätzen, dass sich das Kreismuseum seit vielen Jahrzehnten gut aufgehoben fühlt bei seinem Träger und diese erfolgreiche Zusammenarbeit in der Zukunft fortsetzen möchte. 

Die WIBERA schlug in ihrem Gutachten im Sommer 2011 vor, das Kreismuseum in Vereinsträgerschaft zu überführen.

Ein Verein wird aber niemals in der Lage sein, das Museum finanziell zu tragen. Uns fehlen in den neuen und zunehmend auch in den alten Bundesländern die entsprechenden Sponsoren wie z.B. in den USA. Hierbei ist allerdings zu bemerken, dass auch dort die Tendenz rückläufig ist. 

Wenn wir heute von Strukturbereinigung sprechen, sollten wir uns vergegenwärtigen, dass wir mit einem veränderten Trägermodell einen Schritt zur Verwaltungsmodernisierung beschreiten, der finanzielle Bedarf der Kultureinrichtungen aus öffentlicher Hand aber im Wesentlichen bestehen bleibt. 

Das Ziel der heute so häufig zitierten Verwaltungsmodernisierung ist eine effizient und effektiv arbeitende öffentliche Verwaltung. Vor einigen Jahren begann man in den alten Bundesländern über neue Strukturen auch im Kulturbereich nachzudenken. Die kommunale Verwaltung suchte zusammen mit den Kulturschaffenden nach geeigneten Lösungen. In Abhängigkeit von der Größe, dem Finanzbedarf und dem Aufgabengebiet wählte man Formen wie: den Zweckverband, die GmbH, die Stiftung des öffentlichen Rechts, den Eigenbetrieb, den Verein, den Kulturbetrieb.

Unabhängig von allen hier genannten Trägermodellen blieb der Tatbestand der finanziellen Förderung aus Mitteln der Kommune bzw. aus öffentlicher Hand bestehen. So kann sich ein Museum als Eigenbetrieb oder Verein genauso wenig tragen, wie eine kommunal unterstellte Einrichtung. Der Finanzbedarf ändert sich nicht. Die Personalkosten verschwinden aus dem Personalplan der Kommune und tauchen als erhöhte Sachmittel im Haushaltsplan wieder auf. 

Um qualifizierte Museumsarbeit leisten zu können, muss der finanzielle Rahmen gesichert sein. Für diese qualifizierte Arbeit ist ausgebildetes Fachpersonal, wie auch durch ICOM gefordert, unabdingbar.

Gefragt sind tragbare Konzepte, welche eine hohe Eigenverantwortlichkeit zulassen. Diese Konzepte sind jedoch nur im gemeinsamen Diskurs zu erstellen. Das Bekenntnis zur Kultur sollte dabei im Mittelpunkt stehen.