Rückblick der Sonderausstellungen

Gemodelt und gesetzt – Ofenkachelmodel aus Grimma

Texte der Ausstellungstafeln

Die Ofenkachel im Wandel der Zeit

Bereits im Mittelalter stellten die Töpfer mittels Drehscheibe schüsselförmige Kacheln her, die im losen Verband in die mit einem Gemisch aus Stroh, Spelzen und Lehm bestehende Ofenwandung der Feuerstelle eingefügt wurden. Die somit vergrößerte Oberfläche des Ofens bewirkte eine gleichmäßige Wärmeabgabe bei geringerem Holzverbrauch. Nach dem Verlöschen des Feuers hielt die in der Keramik gespeicherte Hitze den Ofen noch lange warm.

 

Ofenkacheltypen

 

Die Napfkacheln mit einem nahezu quadratisch ausgezogenen Rand ermöglichten es, die gesamte Oberfläche des Ofens mit Kacheln zu besetzen und diese damit optimal zu vergrößern. Die Kacheln waren jetzt nicht mehr bloß Zutat zu einem Ofen, sondern dessen äußere Haut.

Um 1400 kamen modelverzierte Nischenkacheln und Napfkacheln mit dekorativem Vorsatzblatt in Gebrauch.
Mit Beginn der Renaissance schloss sich zugunsten einer reichen plastischen Gestaltung die Mündung der Blattnapfkachel. Jetzt wurde die Blattkachel der ideale Träger für die verschiedensten bildnerischen Darstellungen. Sie hatte den Vorteil der Vervielfältigung mittels eines Models. Nun konnte in Serie eine große Anzahl von Kacheln gleichen Typs hergestellt werden. An die Blattkachel modellierte der Töpfer auf der Rückseite einen umlaufenden keramischen Steg, die Zarge. Mittels dieser Zarge konnten die einzelnen Blattkacheln nun sehr dicht nebeneinander aufgestellt werden, so dass ein Lehmgrundkörper für die Konstruktion des Ofens überflüssig wurde. Die einzelnen Kacheln wurden lediglich mit Lehm aneinandergefügt.

Besonders vielfältig waren die Bildthemen: biblische Szenen, Tierdarstellungen, Kurfürstenporträts, Wappen, Frucht- und Blütenmotive sowie Szenen aus der griechischen Mythologie, wobei die Darstellungen immer dem Zeitgeschmack folgten.

Die gedrehte Napfkachel wurde aber weiterhin vor allem im bäuerlichen Wohnmilieu bis in das 19. Jh. verwendet. In Abwandlung ist sie seit dem Ende des 20. Jh. wieder in Gebrauch.

Kachelmodel aus zwei Jahrhunderten

Die in der Sumpfgrube gefundenen Model und Kacheln stammen aus der Zeit zwischen 1550 und 1720. Es ist also anzunehmen, dass vor der Ersterwähnung des Töpfers Veit Schwalbe bereits ein Töpfer im Grundstück Mühlstraße 7 Ofenkacheln anfertigte.
Bei den Funden handelt es sich um Formen und Fragmente aus gebranntem Ton: Kacheln, Eck-, Sims- und Kranzmodel. Sie zeigen das plastische Kachelrelief als Negativ. Aber auch Probeabdrücke waren im Fundmaterial. Die Größen sind sehr unterschiedlich. Die Formenvielfalt reicht von quadratischen, rechteckigen bis zu schmalen Kacheln, die als Rapporte aneinandergereiht werden können. Einige wenige Kacheln weisen eine Glasur auf.
Aus einer kleinformatigen Blattkachelserie stammt ein Model aus dem Jahre 1550 mit der Darstellung des alttestamentarischen Königs Saul. Dieser Model weist an der Oberfläche starke Abnutzungsspuren auf, was für einen langen Gebrauch spricht.
Als Modelfunde der Zeit zwischen 1550 und 1600 sind weiterhin zu nennen: zwei Bekrönungsmodel, Simsmodel mit Greif- und Löwendarstellungen und diverse Eckkacheln. Sie sind fast alle Einzelstücke. Einige sind auf der Rückseite mit eingeritzten oder ge­stempel­ten Initialen oder Jahreszahlen versehen, die entweder den Zwischenhändler oder den späteren Eigentümer nennen. Jahreszahlen kombiniert mit Namen kamen um 1600 auf. Insgesamt waren unter dem Fundmaterial 27 Kachelformen mit einem Meistersignum und/oder mit einer Jahreszahl versehen:

Meister/Jahreszahl   Meister/Jahreszahl  Meister/Jahreszahl

TTH
ML
MK 1584
PR 1588
Michel Rabener 1609
MF

Valentinus Radenen 1611/1612
HS 1611
Dominus Kackewrick 1617
MH 1628
CM 1651
Re
CH 1651, 1657
HL 1655
CHR 1656
VS 1659
HCK 1700
HK
HAK 1716
 

Eine interessante Modelserie „Die acht Tugenden“ stammt aus der Zeit von 1610 bis 1617. Diese Model sind nicht besonders groß (25 x 35 cm), zeugen aber zum Teil von hoher Qualität. In Auswertung des gesamten Fundmaterials kann festgestellt werden, dass jede Serie einer anderen regionalen Bildschneiderwerkstatt zuzuschreiben ist. Selbst innerhalb der Serien kann man unterschiedliche Künstler erkennen, was bei den acht Tugenden besonders deutlich wird. Die Bildvorlagen für die acht Tugenden stammen von dem Warburger Kupferstecher Antonius Eisenhoit. Die Darstellungen der Stärke und des Glaubens sind eher laienhaft gearbeitet im Gegensatz zu den anderen fünf Tugenden, die die geübte Hand eines Formschneiders verraten.
Aus den Nahrungs- und Gewerbetabellen der Stadt Grimma vom Jahr 1792 geht hervor, dass am Ende des 18. Jh. in der Stadt 3 Töpfermeister, 2 Bildhauer und   3 Formenschneider tätig waren. In Grimma waren also alle Handwerkszweige vorhanden, die sich mit der Herstellung von Modeln befasst haben könnten. Die Tatsache aber, dass verschiedene Grimmaer Bildmotive auch in Leipzig sowie in Colditz gefunden wurden, deutet eher auf einen Kauf der Formen auf der Leipziger Messe hin.Grimma hatte bis 1871 drei Jahrmärkte: den Obermarkt im April, den Erntemarkt im August und den Herbstmarkt im November. Jedes Mal kamen fremde Töpfer (u.a. aus Colditz, Leisnig, Geithain, Waldenburg, Frohburg, Mutzschen, Kamenz, Hohenleipisch) mit Topfwaren und Steinzeug. So gab es z.B. 1825 (einschließlich der 4 hie­sigen) zum Ostermarkt 23, zum Erntemarkt 27 und zum Herbstmarkt 28 Töpferstände.

Die Grimmaer Töpfer verkauften ihre Ware in der Brückengasse, von 1833 bis etwa 1905 in der Nikolaigasse. Die Töpfer aus Hohenleipisch hatten anfangs ihren Platz vor dem heutigen Stadthause, seit etwa 1800 in der Hohnstädter Straße, zuletzt auch in der Nikolaistraße.

Verkauf war den fremden Töpfern nur an den ersten beiden Jahrmarktstagen, Montag und Dienstag, erlaubt. Am Mittwoch kam die Landbevölkerung zum Wochenmarkt, auf dem nur die hiesigen Töpfer ihre Ware feilhielten. Sie sahen streng darauf, dass diese Bestimmung eingehalten wurde. Als z.B. 1769 Bürgermeister Heine den Töpferfrauen aus Hohenleipisch, Rimpel, Rößler und Lehmann, am Erntemarkt erlaubte, noch am Mittwoch bis 10.00 Uhr früh zu verkaufen, erhob sich ein großer Tumult. Der Obermeister Müller forderte sie auf einzupacken. Als sie sich wei­ger­ten, ergriff er einen Satz Milchschälchen und schmetterte ihn auf das Pflaster.
Meister Vogel und drei Grimmaer Töpferfrauen folgten seinem Beispiel und zerschlugen Flaschen, Krüge, Näpfe bis der Stadtrichter erschien und ihnen ihr „sträfliches Tun“ untersagte. Die Übeltäter hatten 6 Taler und 8 Pfennige Schadensersatz und 2 Taler und 10 Pfennige Gerichtskosten zu bezahlen.

Das Töpferhaus und sein reicher Fund

Über zwei Jahrhunderte beherbergte das Gebäude in der Mühlstraße 7 Töpferwerkstätten. Der erste urkundlich erwähnte Töpfermeister war 1650 Veit Schwalbe. 1690 kaufte der Töpfer Heinrich Kulka das Grundstück. Nach seinem Tod wurde das Gebäude 1714 an Johann Gottlieb Pohle verkauft. Alle drei genannten Töpfer stellten Gefäßkeramik sowie Öfen her. Ab 1792 übernahm Johann Gottlob Kramer das Grundstück. Kramer, ein Pfeifenmacher, nutzte nun die Werkstatt zur Produktion langer und kurzer Tonpfeifen. Er verstarb 1824. Zuvor vererbte er die Werkstatt seinem Sohn Friedrich Gottlob Kramer, der sie bis Mitte des 19. Jh. weiter führte.

Das Gebäude aus dem 18. Jh. bestand aus einem in Bruchstein gesetzten Erdgeschoss und einem Obergeschoss mit Satteldach. Die Rückfront hatte im Obergeschoss ein einfach verriegeltes Fachwerk aus geflößtem Holz (Fichte oder Kiefer). Im Erdgeschoss waren Wohnstube und Küche untergebracht. Von der Küche aus wurde der übliche Hinterladerofen beheizt. In der Mitte des Gebäudes befand sich ein durchgehender Flur mit Treppenaufgang zum Obergeschoss.

Der Fußboden im Flur des Erdgeschosses war mit Schieferplatten und Ziegelsteinen verlegt. Neben dem Flur befand sich die Werkstatt. Dahinter schloss sich der Brennofen an. Über einen kleinen Hof gelangte man zur etwa vier Meter hohen Stadtmauer.

Bei den Abrissarbeiten des Hauses im Sommer 1992 fand man eine alte, in Natursteinen gesetzte Tongrube, in der ca. 150 Ofenkachelmodel sowie einige Ofenkacheln lagen. Entdeckt wurde die Grube von den Bauarbeitern, die aufgrund der vielen mit dem Bagger zutage geförderten Scherben das Museum über ihren sonderlichen Fund informierten. Die Museumsmitarbeiter bargen die Scherben. Die frischen Bruchstellen der Scherben ließen darauf schließen, dass die Model und Kacheln einst säuberlich in der Tongrube abgelegt wurden und erst durch die mehrfache Überfahrt des Baggers zerbrochen waren. Leider hatte der Bagger bereits mehrere Scherben mit hinweg genommen, so dass sich die Rekonstruktion der einzelnen Bildmotive als schwierig erwies.

Nachdem die Model aus der Grube geborgen waren, konnte der Boden systematisch untersucht werden. Die Tonfunde bestätigten, dass es sich hier um eine Tonsumpfgrube handelte. Sie hatte keine Treppe, nur einen nordseitigen Eintritt. Vermutlich hatten die Töpfer die Grube mit Holzbrettern abgedeckt, um das Austrocknen des Tones zu verhindern.
In den darauf folgenden Wochen wurden in einer sehr zeitaufwändigen Aktion tausende Scherben gewaschen und nach Bildmotiven sortiert. An­schließend konnte Museumsmitarbeiter Günter Unteidig damit beginnen, die ersten Model und Kacheln zusammenzukleben.

So gut wie alle Stücke weisen Fehlstellen auf. Einige Funde wurden mit Stuckgips ergänzt, um sie für eine Abformung nutzen zu können.

Die Schlösser in Rochlitz und Colditz haben alte Kachelfunde genutzt, um verschiedene Öfen in den Wohnräumen des jeweiligen Schlosses zu rekonstruieren. Die Keramikwerkstatt des Schlosses Colditz hat hier aus denkmalpflegerischer Sicht hervorragende Arbeit geleistet.

Geschichte der Grimmaer Töpferinnung

Die Zahl der Töpfermeister war in Grimma immer gering. In den Kämmereirechnungen von 1505 fanden erstmalig Töpfer Erwähnung: Bartel Kirchspitz, Urban Voback und Klaus Ziegelstreicher.

In den folgenden Jahrhunderten arbeiteten in der Stadt Grimma stets drei bis vier, in Ausnahme auch sechs Töpfermeister. Ihre Brennöfen sollten die Töpfer laut Feuerordnung von 1544 „an der Gasse an der Stadtmauer wohlverwahrt und niemanden zum Nachteil errichten“. Diese Gasse heißt heute noch Tops.
Im Jahre 1605 schlossen sich die vier ortsansässigen Töpfermeister zu einer Innung zusammen. Zu dieser gehörten im 17. bis ins 19. Jahrhundert auch sogenannte Landmeister, je einer in Belgershain und in Nerchau, zwei in Mutzschen, zeitweilig auch einer in Lausick und in Colditz.

Die Herstellung und der Betrieb von Kachelöfen sowie alle Ofensetzarbeiten standen innerhalb der Bannmeile ausschließlich der Grimmaer Innung zu. Hier gaben die Maurer auf den Dörfern durch ihre unzünftige Arbeit manchen Anlass zu Beschwerden. Auch in der Stadt selbst musste sich die Innung unberechtigter Arbeit erwehren, nicht immer mit Erfolg. So hatte z.B. Frau Schulamtmann Wendt am 25. November 1734 drei Öfen aus Leipzig bezogen und sie durch Leipziger Töpfer in ihrem Hause in der Langen Straße setzen lassen. Die Innung verlangte den Abriss der Öfen und eine Bestrafung der Auftraggeberin. Der Rat forderte Frau Wendt auf, die Innung fraglos zu stellen, erhielt aber eine sehr ausführliche und sehr energische Abweisung.

1895 wurden die neuen Spezialinnungsartikel von der Kreisdirektion Leipzig bestätigt. Es fielen hier alle bisherigen Bestimmungen über Warenherstellung und -verkauf weg. Aufgenommen wurden nur Fest­legungen in Bezug auf die Innung (wie Vorstand, Sitzungen, Beiträge), das Lehrlings- und Gesellen­wesen sowie das Meisterrecht. Voraus­set­zung für die Erlangung des Meisterrechts war der Nachweis einer dreijährigen Wanderzeit (oder wenigstens Arbeits­zeit) als Töpfergeselle. Beim Meisterstück wurde wie bisher Ofen- und Scheibenarbeit verlangt. Es war ein unglasierter Kachelofen nach bestimmten Maßen mit Fuß und Obersims, drei steigenden und zwei fallenden Zügen zu fertigen und nach dem Brennen lot- und waagerecht, Säge und Zange zu gebrauchen, zu setzen. An Scheibenarbeit waren ein Topf, ein Kelch und ein Krug von bestimmten Maßen zu liefern. Die Zeit war auf 14 Tage bemessen. Die Gebühr betrug 21 Taler.

Am Ende des 19. Jahrhunderts kam es zur Trennung zwischen den Scheibentöpfern und den Ofentöpfern.
Im Sommer des Jahres 1899 sprach die Kreishauptmannschaft die Schließung der Innung aus. Der letzte Grimmaer Töpfer war Meister Ernst Schubert in der Schulstraße 64. Er schloss 1920 seine Werkstatt.

Innungsordnung der Grimmaer Töpfer

1605 gab es in Grimma vier Töpfermeister: Andreas Schöne, Heinrich Reisardt, Urban Geidel und Bastian Dudolff. Sie schlossen sich in diesem Jahr zu einer Innung zusammen. Die Innungsordnung regelte die Obermeisterwahl, das Meisterrecht, die Lehrzeit u.a. Sie war ein gegenseitiges Überein­kommen, den Konkurrenzkampf auf faire Weise zu führen. So war es untersagt, sich gegenseitig zu beschimpfen, die Ware schlecht zu machen, auf dem Topfmarkt die Käufer wegzulocken, die Gesellen abzuwerben sowie innerhalb der Bannmeile zu hausieren. Einige Artikel seien hier genannt:

  1. Die Töpfermeister sollen jährlich zu Lichtmess einen neuen Handwerksmeister wählen.
  2. Ein Töpfer, der sich in Grimma niederlassen und sein Handwerk ausüben will, muss ein Jahr lang „muthen“ und am Ende des Jahres ein Meisterstück anfertigen. Außerdem hat er ein „gut Schock“ in die Innungslade zu zahlen und den Meistern eine Tonne Bier und ein Essen zu spendieren.
  3. Wer eine Meistertochter ehelicht, braucht kein Meisterstück zu fertigen und auch des Meisters Sohn soll damit verschont bleiben, dafür aber ein Jahr auf Wanderschaft gehen.
  4. Wenn ein Meister stirbt, hat die Witwe das Recht zusammen mit ihren Gesellen das Handwerk weiter auszuüben.
  5. Kein Meister soll Töpfe in die Dörfer oder Städte ausführen, die innerhalb der Bannmeile von Grimma liegen.
  6. Sollte ein Meister einen anderen beschimpfen, ihn einen Schelm oder Dieb nennen, hat er dem Rat einen „gut Schock“ und dem Handwerk einen Taler Strafe zu zahlen.
  7. Wenn ein Meister oder seine Frau oder ein Kind stirbt, sollen die andern Meister wenigstens eine Person zum Begräbnis schicken.
  8. Die Meister sollen zu den Jahrmärkten um die Stände losen.
  9. Kein Meister soll dem anderen sein Gesinde abwerben.
  10. Kein Meister soll dem anderen die Kundschaft weglocken.
  11. Kein Meister soll Kacheln oder Röhren in die Dörfer tragen.
  12. Kein Meister soll dem anderen den Ton ohne seine Erlaubnis wegfahren.
  13. Wenn ein Meister oder eine Meisterin sich auf dem Markt mit einer oder einem anderen zankt, soll er/sie dem Handwerk einen halben Gulden Strafe zahlen.
  14. Wenn ein Meister oder eine Meisterin dem anderen seine Ware schlecht macht, soll er/sie dem Handwerk einen halben Gulden Strafe zahlen.
  15. Kein Meister soll seine Töpfe von außen glasieren bei zwölf Groschen Strafe.
  16. Ein jeder Meister soll seine Waren ordentlich brennen bei sechs Groschen Strafe.
  17. Kein fremder Meister soll den Grimmaer Bürgern Kachelöfen anfertigen, noch sollen die Bürger solche kaufen. Falls aber ein Bürger einen außergewöhnlichen Ofen haben möchte, soll er die Grimmaer Meister fragen, ob sie ihm solch einen anfertigen könnten. Sollten sie dazu nicht in der Lage sein, ist es dem Bürger gestattet, sich den Ofen auswärts anfertigen zu lassen.

Die Innungsordnung wurde im Laufe der nächsten Jahrzehnte mehrfach nachgebessert. 1667 z.B. wurden die Vorschriften zum Meisterstück geändert.

Wie schon im Jahre 1605 sollten ein Topf, ein Krug und ein Reibasch angefertigt werden. Dazu kam jetzt ein einfarbiger Ofen von schlichten unverzierten Kacheln, der anzufertigen und zu setzen war. Für die Besichtigung des Meisterstücks waren ein Taler für den Ofen und ein Taler für die anderen drei Stücke in die Handwerkskasse zu zahlen.

Die Herstellung der Ofenkachel

Ausgangspunkt für die Kachelherstellung bildete ein vom Hafner, Formschneider oder Bildhauer meist aus Ton gelegentlich auch aus Gips oder Holz hergestelltes Modell, die Patrize.

Als Motivvorlage dienten hier vor allem Holzschnitte oder Kupferstiche namhafter Künstler. Bei dem Grimmaer Kachelmodelfund konnte zum Beispiel für die Serie der acht Tugenden der Goldschmied und Kupferstecher Antonius Eisenhoit (1553-1603) ausgemacht werden und aus der Serie der 12 Tyrannen diente für die Darstellung des Königs Saul eine Bildvorlage von Erhard Schön (1491-1542).

Von der Patrize, einem Positiv, konnten Abdrücke aus Ton abgeformt werden. Diese seitenverkehrten Negativabdrücke aus etwas gröber gemagertem Ton werden Kachelmodel oder Matrizen genannt.

Vermutlich entstanden die Kachelmodel in unmittelbarer Nähe der Künstler bzw. Formenschneider. Allerdings gibt es für die Verbreitung von Kachelmodeln bis heute keine schlüssigen Nachweise.

Tonvorkommen und Tonaufbereitung

Die Grimmaer Töpfer bezogen ihren Ton aus dem Döbener Pfarrholz. Hier gruben von jeher alle Töpfer ihren Ton nach Bedarf und zahlten dem Pfarrer 14 Groschen Zins. Im Jahre 1568 verweigerte der neue Rittergutsbesitzer von Döben, David von Hirschberg, das weitere Abgraben, „ damit das Pfarrholz nicht verwüstet und seine Schaftrift nicht geschmälert wird“. Außerdem aber verwandte der Pfarrer den Zins „zu seinem Nutz, welches der Kirche zum Nachteil geschehe“, denn er habe aus dem Pfarrholz nichts als sein Feuerholz alljährlich zu entnehmen. Hirschberg schloss 1569 mit der Innung einen Vertrag: Die Töpfer durften gegen Zahlung von vier Meißnischen Gulden an die Kirche und einem Gulden an den Herrn von Hirschberg für die Abnutzung der Hutung weiterhin ihren Ton in Döben graben. In der Mitte des 18. Jh. entnahm die Innung den Ton vorübergehend aus dem Elsterbusch nördlich vom Münchteich. Seit 1875 wurde der Ton vornehmlich aus Golzern, auch aus Nerchau, Grechwitz und Colditz geholt.

Eine der wichtigsten Eigenschaften des Tones ist die Plastizität, die je nach Tonsorte unterschiedlich ist. Ein stark bildsamer Ton wird als fett bezeichnet, er fühlt sich glatt an und ist geschmeidig. Um beim Trocknen Schwindungsrisse zu vermeiden, werden Magerungsmittel wie Sand, Quarz und Glimmer zugesetzt. Im Gegensatz dazu steht der magere Ton mit groben Beimengungen. Er ist weit weniger plastisch und reißt daher beim Formen leicht. Seine Vorteile sind ein geringerer Schwund und eine geringere Rissanfälligkeit während des Brandes.

Für die Herstellung von Ofenkacheln ist der magere Ton geeigneter.

Aufbereitung

Der geförderte Rohton musste gereinigt und homogenisiert werden, um eine zur Formgebung geeignete Masse zu erhalten. Der Rohton wurde so lange unter reichlichem Wasserzusatz der Witterung ausgesetzt, bis er aufgeschlossen war und störende grobe Beimengungen ausgeschieden waren. Je nach Jahreszeit wurde zwischen Wintern und Sommern unterschieden. Durch oft wiederholtes Treten und Kneten entstand eine bildsame Tonmasse von gleichmäßiger Beschaffenheit. Nach längerer Ruhepause, in welcher der Ton noch einer Gärung, dem Mauken, unterworfen war, konnte er dann auf der Werkbank zu handlichen Ballen geformt werden.

Eine Qualitätsverbesserung des Tones erzielte man durch eine längere Lagerzeit. Daher mussten die Töpfer immer eine ausreichende Menge Ton bevorraten.

In Grimma fand man im Haus Mühlstraße 7 eine aus Natursteinen gemauerte Tongrube, die 2,00 x 2,50 Meter groß und 1,60 Meter tief war.

Verkauf der Töpferware

Der Verkauf von Töpferwaren geschah ausschließlich zu den Wochen- und Jahrmärkten. Hier deckte die Land- und Stadtbevölkerung ihren Bedarf an Töpfen. Auswärtige Töpfer waren zu den Wochenmärkten nicht zugelassen.

Zahlreiche fremde Töpfer kamen zu den Jahrmärkten. Sie waren unter den Grimmaer Töpfern wenig erwünscht, denn sie brachten Ware, wie sie hier aufgrund des zur Verfügung stehenden Tons nicht in gleicher Güte hergestellt werden konnte. Die Grimmaer Töpferware war weiß mit rauer und unglasierter Außenseite. Nur die Innenseite und der Rand waren glasiert. Auswärtige brachten braune, innen und außen glasierte Waren, die haltbarer waren. Sie kamen mit sogenanntem Grauwerk, Steinzeug wie z.B. Milchschälchen, Käsenäpfen, Butterbüchsen, Bierflaschen u.ä. Das Grimmaer Grauwerk war von schlechter Qualität. Deswegen deckte die Bevölkerung ihren Bedarf an Steinzeug von Jahrmarkt zu Jahrmarkt bei den fremden Töpfern.

Grimma hatte bis 1871 drei Jahrmärkte: den Obermarkt im April, den Erntemarkt im August und den Herbstmarkt im November. Jedes Mal kamen fremde Töpfer (u.a. aus Colditz, Leisnig, Geithain, Waldenburg, Frohburg, Mutzschen, Kamenz, Hohenleipisch) mit Topfwaren und Steinzeug. So gab es z.B. 1825 (einschließlich der 4 hie­sigen) zum Ostermarkt 23, zum Erntemarkt 27 und zum Herbstmarkt 28 Töpferstände.

Die Grimmaer Töpfer verkauften ihre Ware in der Brückengasse, von 1833 bis etwa 1905 in der Nikolaigasse. Die Töpfer aus Hohenleipisch hatten anfangs ihren Platz vor dem heutigen Stadthause, seit etwa 1800 in der Hohnstädter Straße, zuletzt auch in der Nikolaistraße.

Verkauf war den fremden Töpfern nur an den ersten beiden Jahrmarktstagen, Montag und Dienstag, erlaubt. Am Mittwoch kam die Landbevölkerung zum Wochenmarkt, auf dem nur die hiesigen Töpfer ihre Ware feilhielten. Sie sahen streng darauf, dass diese Bestimmung eingehalten wurde. Als z.B. 1769 Bürgermeister Heine den Töpferfrauen aus Hohenleipisch, Rimpel, Rößler und Lehmann, am Erntemarkt erlaubte, noch am Mittwoch bis 10.00 Uhr früh zu verkaufen, erhob sich ein großer Tumult. Der Obermeister Müller forderte sie auf einzupacken. Als sie sich wei­ger­ten, ergriff er einen Satz Milchschälchen und schmetterte ihn auf das Pflaster.
Meister Vogel und drei Grimmaer Töpferfrauen folgten seinem Beispiel und zerschlugen Flaschen, Krüge, Näpfe bis der Stadtrichter erschien und ihnen ihr „sträfliches Tun“ untersagte. Die Übeltäter hatten 6 Taler und 8 Pfennige Schadensersatz und 2 Taler und 10 Pfennige Gerichtskosten zu bezahlen.