Die Fotografen der Stadt Grimma 1843 bis 1945

J. Gelpke

1843

Der Dresdner Chemiker J. Gelpke war 1843 mit hoher Wahrscheinlichkeit der Erste, welcher in Grimma Lichtbilder anfertigte. Vom 27. März bis zum 1. April 1843 schlug er sein Atelier im Hause des Kaufmanns Borchers in der Langen Gasse (Lange Str.) auf. Er fertigte täglich zwischen 9 und 16 Uhr Daguerreotypien an. Damit gehört er zu den frühsten Daguerreotypisten in Sachsen. Die zwischen 1835 und 1839 von Louis Daguerre entwickelte Daguerreotypie, war das erste brauchbare fotografische Verfahren, welches eine größere Verbreitung dieses neuen Mediums zuließ. Daher nannten sich die frühen Fotografen auch Daguerreotypisten. Die Aufnahmen waren damals noch umständlich und teuer. So betrug die Belichtungszeit am Anfang zwischen 10 und 15 Minuten, zur Zeit Gelpkes immerhin noch etwa ein bis drei Minuten. Der Bildträger war eine mit Silberhalogeniden beschichtete Silberplatte oder später eine versilberte Kupferplatte welche das Verfahren relativ teuer machten. So verlangte Gelpke für ein Portrait 1½ bis 2 Taler und für Gruppenaufnahmen 3 Taler. Derartige Preise konnten sich nur die wenigsten Grimmaer leisten und so verwundert es nicht, dass sich Gelpke nur etwa eine Woche in der Stadt aufhielt. Ob er wirklich Chemiker war ist heute nur noch schwer festzustellen, aber es ist bekannt, dass sich die frühsten Lichtbildner häufig als solche bezeichneten um einen höheren Werbeeffekt zu erzielen. Unabhängig von diesem Aspekt waren für die Anfertigung einer Daguerreotypie chemische Kenntnisse und eine Reihe von Chemikalien notwendig. Man darf auch nicht außer Acht lassen, dass viele der Daguerreotypisten der Anfangszeit in der Tat Physiker, Chemiker, Mechaniker, Optiker oder Uhrmacher waren. Man denke an bekannte Daguerreotypisten wie Dauthendey (Optiker), Petzhold (Arzt und Chemiker) und die Gebrüder Enzmann (Mediziner und Optiker/Mechaniker), welche allesamt in dieser Zeit in Sachsen tätig waren.