Zwischen Heimatfront und Schützengraben – Der Erste Weltkrieg im Muldental

Ausstellung
Der Erste Weltkrieg – Einführung
Die Stadt Grimma im Erste Weltkrieg
Wirtschaft der Stadt im Erste Weltkrieg
Grimmaer Produkte für die Front
Maschinenbau A.G. Golzern-Grimma
Geschoßkörbe der Firma Tretbar
Fest- und Scherzartikelfabrik Weissing
Rationierung von Lebensmitteln
Ernährungslage in Grimma
Husarenregiment Nr. 19 in Grimma
Vom Schulalltag
Kriegsgefangenenlager Golzern

Die Stadt Grimma im Ersten Weltkrieg

Mit dem Kriegsbeginn meldeten sich auch in Grimma viele Männer und Jugendliche freiwillig an die Front oder wurden einberufen. Dies hatte Konsequenzen nicht nur im Familienleben, sondern auch für die Betriebe und die Arbeitskräftesituation. Gleich mit Beginn des Krieges waren die ersten Toten aus der Stadt zu beklagen. Relativ schnell beschloss der Stadtrat eine Unterstützung für Frauen, Kinder und Angehörige der zum Kriegsdienst Einberufenen, die nicht städtische Arbeiter waren. Die gesamte Bürgerschaft wurde zum Spenden von Gaben für die durch Kriegsnot am härtesten betroffenen Einwohner der Stadt aufgerufen.

Am 18. August 1914 beschloss der Stadtrat, ein Kriegsdarlehen von 200 000 Mark aufzunehmen, und bat die Bewohner der Stadt, durch Handdarlehen von 100-5000 Mark, eine größere Summe zu leihen. In der Folge zahlten zahlreiche Vereine wie Militär-, Turn-, Schützen- und Kaninchenzüchtervereine in die Kriegsanleihe ein. In den Kirchen erfolgten Sammlungen für das „Rote Kreuz“, dem in den Kriegsjahren vor allem die Erlöse kultureller Veranstaltungen wie Konzerte oder Theateraufführungen im Schützenhaussaal zu Gute kam. Tanzmusiken durften nicht mehr stattfinden. Stattdessen gab es „Vaterländische Volksabende“ und Pastor Seidel führte „Stille Familienabende“ durch, in denen er aus Feldpostbriefen Grimmaer Soldaten vorlas. Den Zuhörern wurden die Schrecken der Kämpfe deutlich, aber auch die Hoffnung der Soldaten auf ein baldiges Ende des Krieges.

Auch Kochkurse mit der Kochkiste gehörten zum Angebot, allein 99 Kurse gab es bis Mai 1916. Insgesamt nahmen 2905 Mädchen und Frauen daran teil. Diese Veranstaltungen bedurften stets der polizeilichen Genehmigung, weil im Anschluss an die Vorträge immer ein Meinungsaustausch mit dem Publikum stattfand. Die Polizei gab meist ihr Einverständnis, nur bei den Themen „Die wirtschaftliche Lage der Arbeiter- und Kriegerfamilien“ und „Die Ernährung und Friede“ wurden die Aussprachen verboten. Diese Themen waren zu brisant und man vermutete unliebsame Diskussionen. Um die Jugendlichen für den Heeresdienst vorzubereiten, fand am 25.10.1914 die erste Felddienstübung statt. Auch der Turnverein und der Schwimmklub „Neptun“ richteten ihre Kräfte auf die Ausbildung der Jugendlichen zum Heeresdienst. Zur Belehrung und Hilfe bei Feldpostsendungen richtete der Stadtrat im Wartezimmer der Sparkasse eine Schreibstube zur öffentlichen Benutzung ein.

Für die Waffenproduktion wurden alle Metalle gesammelt, besonders Nickel, Kupfer, Messing und Zinn. Am 17. August 1915 wurde Aluminium beschlagnahmt, besonders gesucht war solches mit einem Reingehalt von 80 %. Darunter fielen auch diverse Haushaltgegenstände wie Kessel, Eimer, Kannen, Kochtöpfe und Backformen. In kommunalen Sammelstellen wurde dafür, je nach Metall, ein Ausgleich gezahlt. Am 26. Juni 1917 wurden schließlich auch die drei Grimmaer Rathausglocken abgenommen und für Kriegszwecke abgeliefert. Ebenso verlor die Fürsten- und Landesschule ihre Glocke. Die Grimmaer Frauen machten sich mit großem Engagement an die Herstellung von „Liebesgaben“ für die Soldaten an der Front. Im Februar 1915 gab es in der Bürgerschulturnhalle eine Ausstellung von Kleidungsstücken, die die Frauen aus alten Wollsachen gefertigt hatten. Aus der Stadt Grimma kehrten 400 junge Männer nicht von der Front zurück.